Berlin - Sabine Gabrysch mag anschauliche Bilder, zum Beispiel das vom abgestorbenen Zeh. Als sie vor Jahren einem Patienten erklärte, dass man seinen schwarz verfärbten Zeh amputieren müsse, sei der so erschüttert gewesen, dass er sein Leben dann grundlegend änderte. Der Mann war Diabetiker und hätte schon lange anfangen müssen, gesünder zu leben. Doch erst durch diese Diagnose schien er zu begreifen, dass sein Lebensstil Konsequenzen hat und sein Körper ein wertvolles und verletzliches Gut war. Er begann, sich gesünder zu ernähren und Sport zu treiben, bald ging es ihm insgesamt viel besser.

Sabine Gabrysch wünscht sich, dass die Corona-Pandemie, wie der schwarzen Zeh, als Symptom eines grundlegenderen Problems wahrgenommen wird. Als Zeichen für unsere gestörte Beziehung zur Natur, für unseren falschen Umgang mit dem Planeten, der mit Klimaerwärmung reagiert, mit Artenschwund und mit dem vermehrten Überspringen von Viren von Tieren auf den Menschen, weil wir immer tiefer in deren Lebensräume eindringen. „Corona könnte ein Weckruf sein“, sagt die Ärztin und Epidemiologin. „Bei schweren Krankheiten realisieren die Menschen oft erst, wie es um sie steht, wenn sie die Folgen direkt spüren.“ Die Pandemie lässt sehr viele Menschen gerade sehr schmerzhaft spüren, dass etwas nicht ist, wie es sein sollte. Sie müssen jetzt daraus die richtigen Schlüsse ziehen.

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