Wiesbaden - Papageien mitten im Winter mitten in Deutschland: das gibt's! Die Rede ist von den Halsbandsittichen, die in Wiesbaden schon seit vielen Jahren eine große Brutkolonie bilden – gewissermaßen in freier Wildbahn. Die Kälte scheint ihnen nichts auszumachen, derzeit bereiten sie sich trotz der Temperaturen um den Gefrierpunkt auf die Brut vor. Der Beweis: An den Bruthöhlen im Park des Biebricher Schlosses am Rheinufer gibt es derzeit viel Geflatter und Geschrei.

Je nach Witterung könnte es Mitte Februar losgehen, sagte der Experte Detlev Franz jetzt der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings zeigten die Vögel schon jetzt Interesse an den Bruthöhlen. Franz beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit den wild lebenden Sittichen, die sich inzwischen auch in Städten rund um Wiesbaden niedergelassen haben. Neben Psittacula krameri, so der wissenschaftliche Name, lebt auch noch der Große Alexandersittich (Psittacula eupatria) in der Region.

Foto: dpa/Boris Roessler
In Beschlag genommen: ein Halsbandsittich vor dem Eingang zur Bruthöhle.

Die Vögel stammen aus Afrika und Asien und könnten womöglich aus der Gefangenschaft entwischt sein. In Deutschland brüten sie besonders gerne in Höhlen alter Baumbestände, wie sie in Parks, Friedhöfen und großen Gärten vorkommen. Dabei bevorzugen sie Platanen, die sie auch als Schlafbäume nutzen. In Heidelberg wurden Halsbandsittiche auch schon in der Styroporschicht der Außenfassaden wärmegedämmter Gebäude entdeckt. Die Tiere passen sich an.

Und sie fühlen sich hier offenbar wohl. Die ökologische Folgen für heimische Vogelwelt sind noch nicht erforscht: Befürchtet wird vor allem die Konkurrenz zu anderen höhlenbrütenden Vogelarten. Auch könnte es sein, dass die Sittiche anderen fruchtfressenden Vogelarten die Nahrung wegnehmen. Ansonsten machen sich die Vögel, vergleichbar den Tauben, durch die Lärmbelästigung und vor allem die Verkotung unter Massenschlafplätzen nicht sonderlich beliebt.

Da kommt was zusammen: Laut einer aktuellen Zählung der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz gibt es rund 2380 Halsbandsittiche und 540 Große Alexandersittiche in Wiesbaden.