Kind liegt mit Fieber im Bett.
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BerlinEine Praxis in Schöneberg, ein volles Wartezimmer, im Hintergrund hört man Kinder, die reden, weinen, lachen, husten. Am Telefon spricht Jakob Maske, Kinderarzt und Sprecher des Berliner Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, über Corona.

Herr Maske, drängen jetzt viele Eltern in Ihre Praxis mit der Angst, ihr Kind könnte sich mit Corona infiziert haben?

Ja, es gibt diese Eltern, und das ist schon erstaunlich: weil ja in Berlin noch kein einziger Fall bekannt ist und man weiß, dass die Krankheit bei Kindern unter neun Jahren sehr milde verläuft. Deshalb müssen wir uns eigentlich keine Sorgen um unsere Söhne und Töchter machen, und auch wir Kinder- und Jugendärzte haben allen Grund, gelassen zu sein.

Allerdings kann es sein, dass die Krankheit sich noch verändert…

Ja, das stimmt. Aber im Moment sind die Risikogruppen andere: Erwachsene, vor allem ältere Menschen, all jene, die unter einer chronischen Erkrankung oder Immunschwäche leiden.

Kann man die Symptome einer Grippe von denen einer Corona-Infektion unterscheiden?

Nein, man hustet und hat Fieber. Das ist bei Grippe so und auch bei Corona… Deshalb ist die entscheidende Frage: Gab es Kontakt zu Menschen, die aus Risikogebieten kommen, aus China, Italien, aus dem Iran?

Quelle: BzGA

Wovor haben Sie mehr Angst: Vor Ansteckung oder vor panischen Eltern?

Wenn ich ehrlich bin, dann vor panischen Eltern. Denn wenn ein Kind sich tatsächlich mit Corona infiziert hätte, dann wäre es ja so ziemlich das Schlimmste, mit diesem Kind sofort zum Arzt zu rennen und sich in ein volles Wartezimmer zu setzen.

Was also tun im Verdachtsfall?

Man sollte die Hotline des Berliner Gesundheitssenat anrufen (900282828), sich beraten und eventuell testen lassen. Der Test ist sicher; in den sechs bis sieben Tagen nach Ausbruch der Krankheit kann man eine Infektion mit absoluter Gewissheit nachweisen. Wegen der langen Inkubationszeit kann es jedoch lohnen, bei einem negativen Ergebnis und neuen Symptomen noch einen zweiten Test zu machen.

Wie kann man sich und seine Kinder vor einer Infektion schützen?

Die ganz normalen Hygiene-Maßnahmen einhalten, also regelmäßig die Hände waschen. Manche sagen, man solle große Menschenaufläufe meiden. Aber ich finde, das geht schon zu weit. An diesem Punkt sind wir noch nicht. Auch die Verwendung von Desinfektionsmittel halte ich im Moment für übertrieben.

Quelle: BZgA

Herr Maske, sie heißen Maske, tragen Sie schon eine?

Nein.

Wie schützen Sie sich und ihre Mitarbeiter?

Also wenn die Epidemie wirklich ausbricht, dann müssten wir bei jedem Kind, das Fieber hat und hustet, einen frischen Kittel anziehen. Aber jetzt ist Grippe-Zeit, und unsere Praxis wird jeden Tag von etwa 150 Kindern durchlaufen. Also müsste ich pro Tag 150 frische Kittel vorrätig haben, 750 frische Kittel pro Woche… Klingt das praktikabel?

Leider nein.

Und deshalb machen wir erst mal so weiter wie bisher.

Sollten Kinder, die zum Beispiel an Asthma leiden, sich jetzt schnell impfen lassen?

Also, die Regelimpfungen reichen aus. Aber wer bisher versäumt hat, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen, sollte das jetzt nachholen. Denn wenn die Lunge durch Corona geschädigt sein sollte und sich noch andere Bakterien oben draufsetzen, dann kann es zu Komplikationen kommen.

Wie informieren Sie sich selbst über Corona?

Am Mittwoch habe ich an einer Fortbildung der Charité teilgenommen. Da habe ich zum Beispiel gelernt, dass in den weniger betroffenen Regionen von China nur zwei von je 100.000 Einwohnern erkrankt sind, das wäre dann für eine Vier-Millionen-Stadt wie Berlin nur eine Anzahl von 80 Kranken. Vielleicht ist das Problem also doch nicht so groß, wie jetzt alle glauben.