Das Tagpfauenauge findet immer weniger blütenreiche Lebensräume.
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Wir freuen uns. Über den Sommer. Die Sonne. Über die Natur. Und da wiederum besonders über die Schmetterlinge: Sie sind der Inbegriff sommerlicher Leichtigkeit und Schönheit … Ist klar. Doch jetzt berichtet uns das Bundesamt für Naturschutz in Bonn, dass mindestens 60 Schmetterlingsarten in Deutschland schon ausgestorben und 494 weitere vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet seien. Insgesamt gebe es rund 3700 Arten. „Selbst viele Allerweltsarten wie zum Beispiel das Tagpfauenauge oder der Kohlweißling sind im Bestand merkbar rückläufig“, bestätigt Andreas Segerer, stellvertretender Direktor der Zoologischen Staatssammlung München und Experte für Lepidoptera, wie Schmetterlinge wissenschaftlich heißen. „Der Artenrückgang geht quer durch die Bank.“

Ein Kohlweißling: Beim Schutz der wilden Bestäuber versagt die Politik nachhaltig.
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Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig. Der Klimawandel mit langen Dürreperioden und Hitze ist einer davon, ebenso die intensive Landwirtschaft. Magnus Wessel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Berlin verweist auf den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln und auf das häufige Mähen von Wiesen. Der Verlust artenreicher Wiesen und Weiden sei dramatisch, sagt Wessel. Trostlos für Insekten sieht es auch oft in Dörfern und Städten aus – Stichwort Schottergärten. Zwar sind sie vielerorts bereits verboten. „Aber es gibt immer noch genügend Neubaugebiete, die trotzdem noch mit diesen Schotterwüsten zugepflastert werden“, bemängelt Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV).

Tatsächlich scheint etwas grundsätzlich falsch zu laufen. So stellt auch der Europäische Rechnungshof fest, der Schutz für Wildbienen, Schmetterlinge und andere wildlebende Bestäuber laufe zum Großteil ins Leere. „Die bisherigen EU-Initiativen zum Schutz wilder Bestäuber waren leider so schwach, dass sie keine Früchte trugen“, erklärte der zuständige EU-Rechnungsprüfer Samo Jereb am Donnerstag in Luxemburg. Der Rechnungshof forderte die EU-Kommission zum Nachsteuern auf. Die Maßnahmen in der Biodiversitätsstrategie der EU für das Jahr 2020 hielten den Rückgang von wilden Bestäubern kaum auf. Dabei ist ein Ziel der Strategie, den Verlust von biologischer Vielfalt zu stoppen.