HIV? Sowas kann mir doch nicht passieren. Für viele Menschen ist das Thema Aids in den letzten Jahren vollkommen aus dem Bewusstsein gewichen. Ein fataler Fehler. Knapp 37 Millionen Menschen weltweit tragen das HI-Virus in sich. Die wichtigsten Fakten zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember.

Wann spricht man von HIV, wann von Aids?

Eine Infektion mit dem Humanen Immunschwächevirus (HIV) ist die Ursache für Aids. Wenn das Virus den Körper so sehr schwächt, dass es dem Immunsystem schwerfällt, Infektionen zu bekämpfen, spricht man von Aids. Dann treten lebensbedrohliche Erkrankungen auf, etwa schwere Infektionen oder Tumore, die charakteristisch für eine fortgeschrittene HIV-Erkrankung sind. In der Medizin gilt: Wer weniger als 200 Helferzellen pro Mikroliter Blut aufweist, bei dem besteht ein hohes Risiko für die Krankheiten, die Aids definieren. Die Infektion kann über Monate unauffällig verlaufen und noch nach Jahren in Aids übergehen.

Wie wird HIV übertragen?

HIV wird vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr und infizierte Injektionsnadeln übertragen.

Wo genau richtet das Virus den Schaden an?

In den körpereigenen Helferzellen. Sie haben eine wichtige Funktion bei der Steuerung der Abwehrkräfte, wenn Viren oder Bakterien in den Organismus eindringen - und fatalerweise genau auf diese Zellen hat es das HI-Virus abgesehen. Es dockt an die Helferzellen an, um sich anschließend in ihnen zu vermehren. Der Körper kann sich so nicht mehr ausreichend gegen Krankheiten zur Wehr setzen.

Was bringen Medikamente und Therapien?

Die Medizin ist gegen Virus und Krankheit nicht mehr völlig machtlos. Es gibt seit Mitte der 90er Jahre wirksame Medikamente, die das Virus an der Vermehrung hindern. Meistens werden Infizierte mit einer Kombination aus drei Wirkstoffen behandelt. Die Patienten müssen die teuren Medikamente jedoch lebenslang nehmen. Heutige Medikamente haben deutlich weniger schwere Nebenwirkungen, Komplikationen und Langzeitschäden als noch in den 90er Jahren.

Wie alt kann man mit HIV werden?

Bei konsequenter Therapie können HIV-Infizierte in Ländern wie Deutschland ein normales Alter erreichen. Wer rechtzeitig anfängt und gut therapiert wird, hat wahrscheinlich eine völlig normale Lebenserwartung.

Afrika ist am stärksten betroffen - in welchen Ländern steigt die HIV-Rate?

Experten machen sich vor allem über Osteuropa Sorgen. Dort nimmt die Zahl der HIV- und Aids-Fälle besonders stark zu, wie der Osteuropa-Fachmann der Aids-Hilfe, Ludger Schmidt, sagt. Weil etwa in Russland stigmatisierte Gruppen wie Homosexuelle und Drogensüchtige ausgeschlossen würden, trauten sich viele nicht, professionelle Hilfe zu suchen. „Als schwuler Mann besteht eine große Hemmschwelle, in das medizinische System zu gehen. Es findet ganz klar eine Ausgrenzung statt“, sagt Schmidt. Dadurch entstehe eine Dunkelziffer, die immens von den offiziellen Zahlen abweiche.

Ein weiteres Problem ergebe sich aus der Ukraine-Krise, sagt Schmidt: Internationale Geldgeber und Stiftungen - häufig aus den USA - würden sich wegen des Konflikts zurückziehen. „Es gibt kein Funding mehr. Nichtregierungsorganisationen bluten so aus. Die zarten Strukturen, die es dort gibt, brechen dann zusammen.“

Wie ist die Situation in Deutschland?

In Deutschland ist die Zahl der Neuinfektionen laut Angaben des Robert-Koch-Instituts 2014 mit 3.200 ähnlich hoch gewesen wie in den Vorjahren. Den Angaben zufolge leben in der Bundesrepublik derzeit rund 83.400 Menschen mit HIV oder Aids. Etwa 480 HIV-Infizierte sind 2014 gestorben.