Berlin/Sydney - Vogelzählungen kennen wir aus Deutschland und aus Berlin und Brandenburg nur zu gut: Die Aktionen von Naturschutzverbänden erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und Beteiligung. So steigen etwa die Teilnehmerzahlen zur „Stunde der Gartenvögel“ dem Nabu zufolge stetig. Alljährlich sind die Menschen bei der Aktion dazu aufgerufen, eine Stunde lang Gärten, Parks und Balkone zu beobachten und ihre Vogelsichtungen zu melden. So können Rückschlüsse auf den Bestand der Gartenvögel gezogen werden. Die Corona-Pandemie hat das Interesse an der Natur vor der eigenen Haustür noch weiter gesteigert. Aber wie sieht es eigentlich weltweit aus?

Dazu gibt eine neue Studie interessante und gleichzeitig alarmierende Befunde: William Cornwell, Corey Callaghan und Shinichi Nakagawa von der University of New South Wales im australischen Sydney haben wissenschaftliche Erhebungen zu einzelnen Vogelarten mit den fast eine Milliarde Einträgen in der Internetdatenbank eBird kombiniert. In der Datenbank tragen sogenannte Bürgerwissenschaftler auf der ganzen Welt ihre Vogelsichtungen ein. Die Studie wird im Fachmagazin Proceedings vorgestellt

Auf einen Menschen kommen gut sechs Vögel

Demnach gibt es auf der Erde rund 50 Milliarden Vögel – rein rechnerisch kommen damit auf einen Menschen 6,4 Piepmätze. Das mag zunächst einmal beruhigen, besonders wenn man sich die noch recht häufig vorkommenden Arten anschaut. So gibt es weltweit 1,6 Milliarden Haussperlinge, 1,3 Milliarden Stare, 1,2 Milliarden Ringschnabelmöwen und 1,1 Milliarden Rauchschwalben. So weit, so gut, aber andere Arten dürften Vogelfreunden durchaus Sorgen bereiten. 

So besagen die Schätzungen für die globale Häufigkeit von 9700 betrachteten Arten etwa trübe Aussichten für das Laufhühnchen Turnix melanogaster. Von den dunklen Knopfwachteln, die in Waldgebieten im Südosten von Queensland leben, gibt es nur noch etwa 100 Exemplare. Auch die Bernsteinseeschwalbe (Thalasseus bernsteini), der lange ausgestorben geglaubte Braunbauch-Dickichtvogel (Atrichornis clamosus) und die flugunfähige Trommelralle (Habroptila wallacii) gehören zu den sehr seltenen Arten mit einer Bestandsgröße von weniger als 5000 Tieren. 

Wikipedia/Proceedings of Zoological Society of London
Eine Zeichnung der seltenen Trommelralle „Habroptila wallacii“.

Das Beispiel der leuchtend-rot bebeinten und beschnäbelten Trommelralle macht die Problematik exemplarisch deutlich: Der nur auf der indonesischen Insel Halmahera vorkommende Sumpfbewohner sieht sich von mehreren Seiten größter Bedrohung ausgesetzt. So werden die Sümpfe, die er zum Leben braucht, für den kommerziellen Anbau von Sago und Reis zerstört. Weil die Vögel nicht fliegen können, sind sie zudem leichte Beute für Räuber. Manches Tier wird zum Opfer von Hunden, die eigentlich für die Jagd auf Hirsche und Schweine eingesetzt werden. Die IUCN stuft die Trommelralle als gefährdet ein, aber über laufende Schutzmaßnahmen ist nichts bekannt.

Insofern hilft die neue Studie hoffentlich zunächst einmal dabei, die Dringlichkeiten zu verdeutlichen. Das Beziffern der Häufigkeit einer Art sei ein entscheidender erster Schritt für deren Erhaltung, schreiben die Forscher. „Indem wir richtig zählen, was da draußen ist, lernen wir, welche Arten anfällig sein könnten, und können verfolgen, wie sich diese Muster im Laufe der Zeit ändern“, erklärt Autor Corey Callaghan.

Die Forscher warnen: Wenn die Populationszahlen sinken, „könnte dies eine echte Alarmglocke für die Gesundheit unseres Ökosystems sein“.