Gehaltvoll: Bis 2100 könnte der Kalorienbedarf global um 80 Prozent steigen.
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BerlinNeben einer wachsenden Weltbevölkerung könnte auch das steigende Gewicht der Menschen den globalen Bedarf an Kalorien aus Lebensmitteln erhöhen. Das schreiben Forscher um Stephan Klasen von der Universität Göttingen im Fachblatt Plos One. Ihren Berechnungen zufolge könnte der weltweite Kalorienbedarf von 2010 bis zum Jahr 2100 um bis zu 80 Prozent steigen. Würden die Menschen im Schnitt nicht schwerer werden, prognostizieren die Forscher mit 61 Prozent eine etwas schwächere Zunahme. Klasen und sein Team gehen von rund 11,2 Milliarden Menschen im Jahr 2100 aus.

Bisherige Prognosen beschäftigen sich vorrangig mit der Frage, wie viel Essen sich die Menschen wirtschaftlich überhaupt leisten können oder wie viel gesund und nachhaltig ist. Klasen und sein Kollege Lutz Depenbusch analysierten nun, wie sich der tatsächliche Bedarf an Essen durch schwerer werdende Menschen entwickeln wird.

So nimmt den Forschern zufolge in den meisten Ländern die durchschnittliche Körperlänge der Menschen ebenso wie ihr Body Mass Index (BMI) zu. Im BMI wird das Verhältnis von Länge und Gewicht bemessen. Um ihr Gewicht zu halten, müssen die Menschen künftig folglich mehr Kalorien zu sich nehmen.

Zuwachs in Nigeria und Indien

Um das durchschnittliche Gewicht der Menschen vorhersagen zu können, schauten sich Klasen und Depenbusch bisherige Veränderungen von Körperlänge und Body-Mass-Index an. Mit Blick auf die Körpergröße orientierten sich die Forscher an der Entwicklung in den Niederlanden, bei den Prognosen zum BMI nahmen sie die Entwicklung in Mexiko als Maßstab. „Die Entwicklungen sind in diesen Ländern zwar sehr ausgeprägt, sie stellen aber durchaus ein realistisches Szenario dar“, erläutert Depenbusch.

Der größte Zuwachs beim Kalorienbedarf sei in Nigeria, Indien und der Demokratischen Republik Kongo zu erwarten, denn dort wächst auch die Bevölkerung weiterhin stark. Anders ist die Prognose für China, Japan und Russland. Dort sei bis 2100 sogar mit einem reduzierten Kalorienbedarf zu rechnen, schreiben Depenbusch und Klasen.

Die Forscher beschäftigten sich nicht primär mit der Frage, ob die globale Nahrungsmittelwirtschaft den steigenden Kalorienbedarf decken kann. Allerdings warnen sie, dass eine ausgewogene Ernährung künftig nur noch für wohlhabende Menschen möglich sein könnte.

Arme Menschen hingegen könnten gezwungen sein, auf billige, kalorienreiche aber nährstoffarme Lebensmittel zurückzugreifen. Depenbusch: „In der Folge könnte auch unter den Armen das Körpergewicht weiter steigen, während die Mangelernährung zunimmt.“ Zurzeit sind weltweit 821 Millionen Menschen unterernährt.