Burnout ist eine unmittelbare Folge von Stress.
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BerlinFußball-Trainer Ralf Rangnick litt darunter, Sängerin Mariah Carey ebenfalls, und auch Fernsehkoch Tim Mälzer und Schauspielerin Renée Zellweger ("Bridget Jones") sind damit an die Öffentlichkeit gegangen. Das Burnout ist der Türöffner, wenn es um den offenen Umgang mit psychischen Erkrankungen geht. "Burnout ist im Vergleich zur Depression gesellschaftlich akzeptierter", sagt Hans Jürgen Kraux, Leiter des Psychologenteams am Sana Krankenhaus Lichtenberg.

Fest steht: Burnout ist eine unmittelbare Folge von Stress. Oder besser gesagt: eine extreme Steigerung. Es beschreibt eine absolute Handlungsunfähigkeit, ob bei der Arbeit oder auch in der Familie. "Man kann nichts mehr machen, nichts mehr ändern, kann keine Pläne mehr schmieden. Man ist einfach nur noch ausgebrannt. Das geht mit einer emotionalen Erschöpfung einher, so dass man keinen Anteil mehr nehme an seiner Umwelt, an anderen Menschen. Jemand mit Burnout empfindet keine Freude mehr", erklärt der Psychologe.

Depressionen gleichen einer Winterlandschaft

Während sich eine Depression am besten mit einer Winterlandschaft vergleichen lässt, in der alles erstarrt ist, ist der Mensch mit Burnout ähnlich einer ausgedörrten Wüste. Alles ist verbrannt, es ist nichts mehr da. "Der Burnout-Situation geht eine große Kraftanstrengung voraus, man hat versucht, wahnsinnig viel Energie aufzubringen, um die Situation zu verändern. Aber diese Energie ist verpufft. Als wenn jemand mit angezogener Bremse das Motorrad startet", erklärt Hans Jürgen Kraux. Man wird zynisch, gemein, abwertend und hässlich zu seiner Umwelt, wenn man unter Burnout leidet. Dann sind alle anderen doof, keiner arbeitet, außer man selber. Alle nerven nur noch. "Wenn man eine zynisch-abwertende Haltung feststellt, ist das ein schlechtes Zeichen."

Der Burnout-Situation geht eine große Kraftanstrengung voraus, man hat versucht, wahnsinnig viel Energie aufzubringen, um die Situation zu verändern.

Psychologe Hans Jürgen Kraux

Die gute Nachricht ist: Über Burnout wird vergleichsweise offen gesprochen. Viele Menschen tragen sich mit dem Gedanken, sie könnten betroffen sein. Der erste Weg führt dann zum Allgemeinmediziner. Dort berichtet man von der Erschöpfung, sagt, dass man nicht mehr schlafen kann, ganz schnell erschöpft und ständig unkonzentriert ist, vielleicht sogar Kopfschmerzen hat.

"Vermutlich wird der Hausarzt Sie zunächst zwei Wochen krankschreiben, um Sie aus der Mühle herauszuholen. Ist es wirklich ein Burnout, wird das aber kaum helfen. In 14 Tagen kann man sich nicht regenerieren", so Hans Jürgen Kraux. Wichtig sei es, das zu akzeptieren. Wenn man nach einer Woche Arbeit dieselben Symptome hat und wieder zum Arzt geht, wird der Allgemeinmediziner wohl in Richtung Burnout denken und an einen Psychologen überweisen.

Beratungshotlines für schwierige Phasen

Alternativ kann man bei einer drohenden Burnout-Erkrankung auch mit dem Arbeitgeber reden. "Viele Unternehmen haben inzwischen Programme und Angebote zur Burnout-Prävention aufgelegt", weiß Professor Dirk Windemuth, Leiter des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Beliebt seien auch Employee Assistance Programms. Dahinter verbergen sich Beratungshotlines, bei denen die Unternehmen quasi eine Flatrate für ihre Mitarbeiter buchen. "Dort erhalten sie in schwierigen beruflichen oder privaten Lebenslagen Rat von Experten", so Windemuth.

In ganz akuten Burnout-Fällen wird das aber kaum helfen, weiß Hans Jürgen Kraux von Berufswegen. "Vielleicht sprechen viele Menschen auch zu schnell von einem Burnout. Aber einem Menschen mit echtem Burnout steht das Wasser nicht bis zum Hals - sondern noch viel höher. Dem geht es richtig, richtig schlecht."

Dann hilft nur eine Therapie und eine Veränderung des Lebenswandels. Denn wenn man aus einem Burnout etwas gelernt hat, kommt es vermutlich nicht wieder. Wenn das geschieht, ist die Chance, dass man geheilt wird, wesentlich größer als bei einer Depression.