Die hat was vor sich: eine Versuchs- und Labormaus in einer tierexperimentellen Forschungseinrichtung.
Foto: dpa/Friso Gentsch

Tierversuche gehören eindeutig zu den kulturellen Errungenschaften, von denen wir Menschen in der Regel nichts wissen wollen. Quälerei als Methode, nein, das ist eigentlich unzumutbar. Begrüßenswert ist es da, wenn nun die Verbraucherschutzbehörde in Hamburg die Auflagen für Tierversuche verschärfen und dazu eine Gesetzesinitiative in den Bundesrat einbringen will. Vorgesehen ist, dass Versuche, die lang andauernde und nicht zu lindernde Schmerzen bei den Tieren verursachen, nicht mehr durchgeführt werden. Was sich im Umkehrschluss dann als Beschreibung des grausamen Status Quo verstehen lässt.

Der Hamburger Forderungskatalog ist moderat zu nennen. Labors und Tierhaltungen sollen mindestens einmal pro Jahr unangekündigt kontrolliert werden. Außerdem will man die entsprechenden Einrichtungen verpflichten, in Alternativen zu Tierversuchen zu investieren oder eine Abgabe dafür zu zahlen. Geplant ist, dass Tierschutzbeauftragte künftig ohne Ausnahme über ein abgeschlossenes veterinärmedizinisches Studium verfügen müssen. Der Gesetzentwurf räumt aber auch ein: „Tierversuche lassen sich zur Bearbeitung wissenschaftlicher Fragen in der Medizin derzeit nicht in jedem Fall vermeiden.“

Die attestierte Unvermeidbarkeit von Tierversuchen geht allerdings nicht allen weit genug. Die Initiative „Tierversuche verstehen“, hinter der alle großen Wissenschaftsorganisationen Deutschlands stehen, kritisierte den Hamburger Vorstoß. „Gerade in der aktuellen Corona-Krise zeigt sich, wie wichtig verantwortungsbewusste Tierversuche bei der Verbindung von bestmöglicher Forschung mit bestmöglichem Tierschutz sind“, erklärte der Sprecher der Initiative, Stefan Treue. Die meisten Versuche sind nach Angaben der Initiative mit nur geringen Belastungen für die Tiere verbunden.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin hatte kürzlich ebenfalls einen Referentenentwurf zur Novellierung des Tierschutzgesetzes vorgelegt. Voraussichtlich im Herbst soll er überarbeitet ins Bundeskabinett und dann in den Bundestag eingebracht werden. Wie auch immer das ausgeht, die Initiative „Tierversuche verstehen“ hat mit der polemischen Gegenüberstellung von Corona-Pandemie und Tierschutz, das heißt: von Menschen- und Tierwohl, den Weg der Diskussion auf nicht gerade einvernehmliche Weise vorgezeichnet.