Berlin - Die Corona-Krise verstärkt Tendenzen, die schon länger in den Strukturen unseres gesellschaftlichen Lebens angelegt waren. Zu ihnen gehört auch der Zweifel an der Wissenschaft, den viele Menschen in diesen Tagen artikulieren. Was sich in zahlreichen Foren des Internets, im privat-familiären Rahmen oder bei öffentlichen Demonstrationen äußert, ist nicht neu. Neu ist lediglich die Massivität, mit der die Wissenschaft als Ganzes angegriffen wird. Dabei geht es aber nur am Rande um Inhalte wie Klimawandel, Impfschutz, Umweltzerstörung oder Tierwohl. Zumeist fungiert die Wissenschaft als System mit Stellvertretungsfunktion, das öffentliche Wirkungsmacht besitzt. Die Gegner der Wissenschaft kritisieren gerade diesen Status, indem sie erklären, dass er auf ungesicherten Erkenntnissen oder angemaßten Wahrheitsansprüchen, ja auf Lüge und Betrug beruhe.

Der Arzt Herbert Renz-Polster hat in seinem Buch „Erziehung prägt Gesinnung“ an die lebenslange Nachwirkung frühkindlicher autoritärer Zwänge erinnert. Seine Studie stützt Befunde der empirischen Sozialforschung, wie sie Theodor Adorno bereits Ende der 1940er-Jahre in den USA ermittelt hat. Wer als Kind unter besonderer elterlicher Strenge litt, entwickelt tiefsitzende Ängste, die er als Erwachsener hinter Bekundungen der Stärke versteckt. Er folgt dann gern einfachen Deutungsmustern, strikten Normen und klaren Handlungsanweisungen.

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