Ein Stück Kuchen lockt leider nicht nur Schleckermäuler an, sondern auch Wespen.
Foto: dpa/Roland Weihrauch

BerlinÜber den leckeren Kuchen im Freien freuen sich nicht nur Menschen, sondern auch schwarz-gelbe Insekten: Wespen haben Hochsaison. Die Wespen-Völker sind momentan am kopfstärksten, und „je größer solche Nester werden, desto dreister und fordernder werden ihre Bewohner“, wie Melanie von Orlow vom Naturschutzbund (Nabu) erklärte.

Dann könne es passieren, dass sie den Kuchen auf dem Tisch ansteuern. „Wespen fahren auf Süßes und Eiweiße ab – eigentlich so wie wir“, so Orlow. Die aufgenommene Nahrung trügen sie in die Nester zurück. Wobei das Protein in erster Linie für die Brut gebraucht werde und der Zucker für sie selbst.

Dieses Jahr flögen nicht unbedingt mehr Wespen herum als sonst. „Wir haben eigentlich nicht so ein tolles Wespenjahr“, erklärte Orlow. Es gebe jedoch regionale Unterschiede, unter anderem weil das Wespenaufkommen sehr stark vom Wetter abhänge.

Tolerieren solle man die summenden Insekten besser nicht: Oft holten sich Wespen ihre Proteine beim Verzehr von toten Tieren. Das Risiko, dass sie anschließend potenziell gesundheitsschädliche Bakterien auf Lebensmitteln hinterlassen, sei groß. Besser sei es, die Wespen konsequent davon abzuhalten, an ihr Ziel zu kommen.

Nicht hektisch schlagen oder pusten

Bei Wespen-Besuchen gilt es, Ruhe zu bewahren. Hektisch werden und mit den Händen wedeln sollte man in keinem Fall. „Um sich schlagen ist äußerst kontraproduktiv“, rät Magnus Wessel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Denn die Tiere nehmen diese Angst wahr - und Angstschweiß versetze die Insekten in Alarmbereitschaft. Vielmehr sei „sanftes Wegschieben“ das Mittel der Wahl. Süße Speisen und Getränke im Freien solle man abdecken - oder lieber drinnen verzehren.

Auch die Wespen wegzupusten ist nicht empfehlenswert. Das Kohlendioxid in der Atemluft ist ein Alarmsignal für die Tiere und versetzt sie in Angriffshaltung. „Ganz dreiste Ruhestörer lassen sich mit Wasser aus kleinen Sprühfläschchen zur Raison bringen“, sagt Wessel. Man könne es auch mit einer Ablenkfutterquelle versuchen, etwa eine überreife Frucht, die einige Meter entfernt abgelegt wird.

Im Internet gibt es ohne Ende Tipps, wie man Wespen vertreiben könne: von Kupfergeld bis hin zu ätherischen Ölen - doch all dies hilft kaum bis selten. „Ich habe das tatsächlich mal mit einem Fernsehsender durchexerziert, wir haben alle möglichen Methoden versucht, von Kaffeepulver anbrennen bis hin zum Spicken von Zitronen und dergleichen“, sagt von Orlow. Das habe alles nichts gebracht. Die Tiere seien von Natur aus so angelegt, dass sie aus großer Entfernung Futterstellen finden könnten, so die Biologin.

Nicht alle Wespen kommen ans Buffet

Dabei sind längst nicht alle Wespen auch die nervigen Tierchen, die beim Picknick im Sommer gefährlich werden können. „Wir haben mehr als nur die Kuchenwespe“, sagt von Orlow.

„In der Regel trauen sich nur zwei der elf mitteleuropäischen Wespenarten an unsere gedeckten Tafeln, nämlich die Gewöhnliche Wespe und die Deutsche Wespe“, erklärt auch Naturschutzexperte Wessel. „Alle anderen Wespenarten interessieren sich nicht für unser Essen. Viele dieser Arten vertilgen vor allem Fliegen, Mücken, Raupen, Motten oder Spinnen.“

Wespennester nicht alleine entfernen

Wer gleich ein ganzes Wespennest bei sich zu Hause entdeckt, sollte sich vom Fachmann Hilfe holen. Eine Genehmigung bräuchte man nicht, um ein Nest zu entfernen. Bis auf die besonders geschützten Hornissen unterliegen alle Wespenarten dem allgemeinen Naturschutz, erklärt von Orlow. „Aber ich brauche, wie es so schön heißt, einen vernünftigen Grund.“ Das können etwa gefährliche Allergien gegen das Wespengift oder von den Wespen verursachte Bauschäden sein.

Wespen verlassen ihre Nester übrigens nach einer Saison wieder. Von einem Wespenstaat überlebt nur die Königin den Winter. Im Frühjahr beginnt sie mit dem Bau eines neuen Nests. Zum Saisonende verschwinden die Tierchen also ganz von allein.