Die ganze Welt bereitet sich vor, auch die Royal Thai Navy (Symbolbild).
Foto: AFP Photo / ROYAL THAI NAVY

BerlinSo mancher hierzulande, für den China sonst sehr weit weg ist, fragt sich in diesen Tagen: Kann auch ich mich mit dem neuartigen Coronavirus anstecken, der sich da vom chinesischen Wuhan aus in die Welt aufmachte? Mit dieser Frage befassen sich auch deutsche Forscher sehr intensiv, denn es geht unter darum, wie schnell sich der Ausbruch von 2019-nCoV zu einer echten Pandemie entwickeln könnte.

Tröpfchen-Infektion ist wichtigster Übertragungsweg

Übertriebenen Ängsten tritt unter anderem das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) entgegen. Es erklärte am Dienstag, dass man sich nicht über Lebensmittel oder andere importierte Produkte aus China anstecken könne. Die Viren überlebten nicht lange in trockenem Zustand auf Oberflächen.

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Der wichtigste Übertragungsweg des neuartigen Virus sei nach derzeitigem Kenntnisstand die Tröpfchen-Infektion, bei der die Coronaviren von infizierten Menschen oder Tieren in die Luft abgegeben und anschließend eingeatmet werden, so das BfR. Chinesische Forscher haben inzwischen mitgeteilt, dass sie das Virus auch in Stuhlproben gefunden hätten. Sie vermuten, dass es auch über das Verdauungssystem verbreitet werden könnte. Aber auch hier könnte gründliches Händewaschen eine Verbreitung vermeiden.

Geringes Infektions-Risiko in Deutschland

In Deutschland ist das Risiko äußerst gering, mit Infizierten in Berührung zu kommen, die aus China eingereist sind. Aber wie das Geschehen um die Mitarbeiter des bayerischen Automobilzulieferers Webasto zeigt, kann sich das Virus recht schnell verbreiten, wenn es erst einmal zu solch einem Kontakt gekommen ist.

„Soweit wir derzeit wissen, hatten Patienten, die sich bei der chinesischen Indexpatientin in Bayern angesteckt haben, zum Teil eher flüchtige Kontakte mit Infizierten, zum Beispiel einen Handschlag oder einen kürzeren gemeinsamen Aufenthalt in einem Büro“, sagte Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin der München Klinik Schwabing, dem Science Media Center Germany.

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Das neue Virus sei – anders als Sars oder Mers – „offensichtlich hoch kontagiös, also ansteckend“, soweit man das bisher erkennen könne, sagte Wendtner. Der Münchner Professor und Chefarzt ist Leiter einer Spezialeinheit für hochansteckende Infektionen und zugleich Mitglied eines Ständigen Arbeitskreises beim Robert-Koch-Institut (RKI).

„Der lokale Ausbruch hier in Bayern ist natürlich aus wissenschaftlicher Sicht eine Riesenchance, in interdisziplinären Teams aus den ersten Fällen maximal zu lernen und die bisher ausstehenden Fragen zu klären“, sagte Wendtner.

Keine Details zu der Viruslast

Auch Paul Hunter, ein britischer Wissenschaftler, antwortete auf die Frage nach der Ansteckungsgefahr. Es sei wahrscheinlich, „dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch einen engen oder längeren Kontakt erfordert“, sagte der Professor für Medizin an der Universität von East Anglia.

„Jüngste Aussagen des britischen Gesundheitsministeriums deuten darauf hin, dass als enger Kontakt Menschen definiert werden, die sich mindestens 15 Minuten lang im Umkreis von zwei Metern um einen Infizierten aufgehalten haben.“ Dies sei laut Hunter eine vernünftige Definition. Sie ähnele der, die seit einigen Jahren zur Definition enger Kontakte etwa bei Windpocken verwendet werde.

Noch gebe es keine Details zu der Viruslast, die für eine Ansteckung nötig sei, sagte Bernd Salzberger, Professor aus Regensburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. Mit Viruslast ist die Menge der Viren im Blut eines Infizierten gemeint. Wie das RKI mitteilt, seien auch einzelne Fälle bekannt geworden, „in denen sich Personen möglicherweise bei Betroffenen angesteckt haben, die noch keine Symptome gezeigt hatten“.

„Noch kann ein Durchbrechen der Infektionskette in Deutschland funktionieren, um eine größere Ausbreitung zu verhindern“, sagte Bernd Salzberger. „Man kann die weitere Entwicklung aktuell allerdings noch nicht absehen.“

Insgesamt ist die Ansteckungsgefahr hierzulande jedoch gering. Was den Kreis möglicher Betroffener betrifft, schreibt das RKI: „Personen, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben (zum Beispiel in Wuhan, China) oder Personen, die Kontakt mit einer an 2019-nCoV erkrankten Person hatten und innerhalb von 14 Tagen Symptome wie Fieber oder Atemwegsprobleme entwickeln, sollten ihre Ärztin oder Arzt aufsuchen.“