Eine US-Studie macht sichtbar: Visiere bremsen die Atemluft zwar an ihrer frontalen Ausbreitung, nach unten entweicht sie aber durchaus.
Foto: Florida Atlantic University's College of Engineering and Computer Science

BerlinSie sehen schön futuristisch aus und scheinen viel Luft zum Atmen zu lassen: Visiere als Ersatz für einen Mund-Nasen-Schutz. Als solcher werden sie auch von verschiedenen Herstellern beworben. Allerdings gibt es keine Belege dafür, dass sie einen gleichwertigen Schutz bieten. Im Gegenteil: Vor der Ausbreitung möglicherweise infektiöser Atemluft schützen sie gar nicht gut. 

Eine andere Sache ist es, wenn ein Gesichtsvisier zusätzlich zu einer Mund-Nasen-Bedeckung getragen wird, wie es zum Beispiel im klinischen Alltag in Krankhäusern mitunter üblich ist. Für Masken gilt generell: Gemäß den Hinweisen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sollte eine Maske richtig über Mund, Nase und Wangen platziert sein und an den Rändern eng anliegen, um das Vorbeiströmen von Luft an den Seiten zu minimieren. Durch das Tragen einer Maske können auf diese Weise die Geschwindigkeit des Atems oder des Tröpfchenauswurfs reduziert werden.

Visiere dagegen bremsen zwar den Luftstrom, können aber nur die direkt auf die Scheibe auftretenden Tröpfchen auffangen. „Die Verwendung von Visieren kann nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand nicht als Alternative angesehen werden“, urteilt das Robert-Koch-Institut. Aktuelle Studien wiesen darauf hin, dass die Wirkung von Visieren auf ausgestoßene Partikel deutlich schlechter ist.

Foto: Getty Images/koto_feja
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Forscher der Florida Atlantic University haben zum Beispiel im Fachjournal Physics of Fluids Anfang September eine Studie veröffentlicht, in der sie den Effekt von Gesichtsvisieren visualisiert haben: Mithilfe einer Puppe ahmten sie den Luftstrom nach, wie er beim Niesen und Husten entsteht und verfolgten die Bewegung und Ausbreitung der dabei entstandenen  Tröpfchen mithilfe von Laserlicht in einem dunklen Raum. Dabei zeigte sich: Zwar verhindern Visiere die Ausbreitung der Tröpfchen nach vorne, durch die untere Öffnung verteilen sie sich aber trotzdem im Raum. 

Gleichermaßen erwiesen sich in diesem Versuchsaufbau Masken mit Ausatemventilen als ungeeignet, denn aus diesen Öffnungen entwichen ebenfalls Tröpfchenwolken. Dementsprechend gibt auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zu bedenken: „Masken mit Ventil filtern nur die eingeatmete Luft und bieten daher keinen Fremdschutz.“ Fazit: Visiere sind kein Ersatz für den Mund-Nasen-Schutz. 

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