Longicharo IslandDas Land verschwindet unter den Fluten: Die Giraffe Asiwa lebte seit vielen Jahren auf der Insel Longicharo im Baringo-See – das Gewässer liegt im Westen Kenias und zeichnet sich dadurch aus, dass es keinen oberirdischen Abfluss hat und auch ein unterirdischer Abfluss bisher nicht nachgewiesen werden konnte. Wegen des rasant steigenden Wasserspiegels, jüngst geschätzte 15 Zentimeter pro Tag, schrumpft Longicharo; aus den ehemals 40.000 Quadratmetern ist ein recht überschaubarer Flecken geworden. Deshalb haben Tierschützer die seltene Rothschild-Giraffe jetzt mit einem Boot gerettet.

Eine Arche Noah: Die Barge (Lastkahn) wurde eigens für den Transport gebaut. Mithilfe von Mangos sei die Giraffe auf das Boot gelockt worden, teilte die Organisation Northern Rangelands Trust (NRT) am Mittwoch mit – Mangos sind ein Lieblings-Leckerbissen des Tiers. Ansonsten wurden noch besondere Vorkehrungen für den Tiertransport getroffen, so sollte die hohe und stabile Seitenkonstruktion der Barge verhindern, dass Asiwa über Bord springt; die verbundenen Augen sollten das Weibchen vor Stress und Panik bewahren. So wurde die Rothschild-Giraffe schließlich ans rettende Festland gebracht.

Foto: dpa/Northern Rangelands Trust
Vor der Bootsfahrt: Asiwa wird auf Longicharo Island mit Seilen eingefangen.

Asiwa gewöhnt sich nun in einem Reservat, das in einem viel größeren und vor allem sichern Schutzgebiet liegt, an ihre neue Heimat – der 440 Quadratkilometer großen Ruko Community Conservancy. Sieben weitere Giraffen befänden sich auf der Insel, so NRT, und sollen nach und nach gerettet werden. Die Rothschild-Giraffen wurden den Angaben zufolge erst 2011 nach Longicharo gebracht, um dort die Population wieder aufzubauen. Die Tiere waren einst auf der Insel zu Hause, wie es hieß. Der Weltnaturschutzunion zufolge gibt es geschätzt 2100 Rothschild-Giraffen, rund 765 leben in Kenia.

Derzeit diskutieren Wissenschaftler über den Grund für den Anstieg des Wasserspiegels im Baringo-See sowie in anderen Seen in Kenia. Zum einen könnte es an geologischen Veränderungen tief im Erdboden liegen. Außerdem könnte es sein, dass die zunehmende Abholzung stromaufwärts zu mehr Sediment in den Seen führt. (mit dpa)