Er hat es wieder getan: Bilder, in denen Jogi Löw erst die Hand unter dem Arm einklemmt und anschließend daran riecht, flimmerten auch während des Deutschlandspiels gegen die Slowakei über die Mattscheiben. Bereits in den Vorrundenspielen hatte Löws gelegentliches „Handspiel“ am Seitenrand für Aufsehen gesorgt

Was Jogi Löw vor laufenden Kameras gemacht hat, ist eigentlich total natürlich. Prof. Hanns Hatt ist Duftforscher an der Ruhr-Universität Bochum und erklärt im Interview, wieso wir uns daran sogar ein Beispiel nehmen sollten:

Prof. Hatt, alle lästern über Jogi Löw wegen des „Fehlgriffs“. Finden Sie sein Verhalten ekelig?

Hanns Hatt: Jogi Löw hat sich ganz normal verhalten. Wer das ekelig oder komisch findet, ist verklemmt und hat sich in ein kulturelles Korsett zwängen lassen. Am eigenen Körper zu riechen, ist für menschliche Lebewesen natürlich. Nur wurde es uns leider abgewöhnt.

Es ist also gut, an sich selbst und anderen zu riechen?

Ja, das tun wir alle viel zu wenig: Wir untersagen uns, zu stinken und zu riechen. Der Intimgeruch wird tabuisiert. Das ist schade, weil wir Menschen auch über den Geruch kommunizieren – mehr als wir glauben. Wer jemandem die Hand gibt, führt diese selbst irgendwann wieder zur Nase. Auch wenn wir uns Küsschen geben, beschnuppern wir den anderen. 

Pheromone sind vielen ein Begriff. Was teilt uns der Duft der anderen noch mit?

Aufregung ist ein Beispiel, die kann man tatsächlich riechen: So riecht das Auto danach, wenn man beim Fahren in eine brenzlige Situation geraten ist. Bei Angst und Stress produzieren wir mehr Düfte und geben damit für andere wichtige Informationen ab. 

Also sollten wir uns an Jogi Löw ein Beispiel nehmen?

Auf jeden Fall. Es ist gut, sich über seinen eigenen Duft zu informieren und an sich selbst zu riechen. Das ist nichts Unfeines. (gs)