Carmen Borges kümmert sich um ein Eichhörnchenbaby.
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Caracas/BerlinAufgrund steigender Corona-Fallzahlen gilt in Venezuela eine strenge Quarantäne, das öffentliche Leben ist in dem krisengeschüttelten südamerikanischen Land quasi zum Erliegen gekommen. Auch Carmen Borges ist durch die Maßnahmen in ihrer kleinen Wohnung in Caracas eingeschlossen, die sie sich mit ihrem Mann, zwei Töchtern und seit neuestem auch mit einem Eichhörnchenbaby teilt, dem sie trotz beengter Verhältnisse gern Asyl gewährt.

Das Tier huscht, wenn es wach ist, über den Küchenboden und schläft auf dem Balkon in einem Nest, das Carmen Borges mit einem weichen Handtuch improvisiert hat. Sie füttert den kleinen Nager von Hand, einige Wochen lang gab sie ihm sogar Muttermilch von ihrer Tochter, die gerade ein Kind zur Welt gebracht hat.

Die 50-jährige Therapeutin hofft, dass das Tier sich bald selbstständig ernähren und wieder zurück in die Freiheit entlassen werden kann. Ein Nachbar hatte das verlassene Eichhörnchenbaby gefunden und zu ihr gebracht. Denn Borges ist als Helferin in der Not bekannt, zuvor hatte sie sich bereits um eine kleine, verletzte Eule gekümmert.

Carmen Borges gehört zu einer ganzen Gruppe von Venezolanern, die sich um verlassene oder verletzte Tiere kümmern – zu einer Zeit, in der die geringe Präsenz von Menschen auf den Straßen Tiere in die Stadt spült, die mit dieser urbanen Umgebung eigentlich gar nicht vertraut sind. Venezuela ist für seine artenreiche Flora und Fauna bekannt.

Die Tierärztin und Umweltschützerin Grecia Marquis füttert einen Brillenkauz, den sie dehydriert und unterernährt aufgefunden hatte.
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Auch die Tierärztin und Umweltschützerin Grecia Marquis, Gründerin der Stiftung „Plumas y Colas en Libertad“, beschloss, angesichts der vielen Anrufer, die von verletzten Tieren berichteten, ihr Zentrum wieder zu öffnen, nachdem sie es zwischen März und April wegen der Corona-Quarantäne geschlossen hatte. Sie kümmerte sich in den vergangenen Monaten unter anderem um einen Falken, der sich bei der Kollision mit einer Hochspannungsleitung verletzt hatte, um Eulen und Ameisenbären. 

Die Fürsorge von Frauen wie Borges und Marquis ist eine Herausforderung in einem Land, das schon vor der Pandemie mit einem starken wirtschaftlichen Niedergang zu kämpfen hatte. Grecia Marquis finanziert ihre Stiftung unter anderem durch private Spenden und den Verkauf ihrer Gemälde. Währenddessen verbringt Carmen Borges gern Zeit auf dem Dach ihres zwölfstöckigen Wohnhauses, wo sie Papageien, einen alten Geier und einen einbeinigen Falken füttert. Trotz der Einschränkungen, sagt Borges, habe sie großes Glück. Sie könne ihr Zuhause jetzt mit Tieren teilen.