Beliebter Vorsatz zu Beginn jedes neuen Jahres: mehr Sport. Üblicherweise sind deshalb die Fitnessstudios zu dieser Jahreszeit zum Bersten gefüllt mit Motivierten. Doch aktuell sind die Studios nach Angaben von Betreibern leerer als sonst. Ralph Scholz, Vorsitzender des Deutschen Industrieverbands für Fitness und Gesundheit, sagte der dpa, vielen Menschen sei es wohl zu aufwendig, zusätzlich zu einem Impf- oder Genesenen-Nachweis einen aktuellen Test vorzulegen.

Andere fragen sich, ob ein Besuch unter Corona und der neuen Virusvariante Omikron sicher ist. „Das ist nicht einfach mit Ja oder Nein zu beantworten“, sagt Heinz-Joern Moriske, Direktor und Professor am Umweltbundesamt (UBA) und Geschäftsführer der Innenraumlufthygiene-Kommission. Zwar gebe es in Fitnesscentern den Vorteil, dass die Räume relativ groß und die Personenzahl begrenzt sei – anders als im Klassenzimmer, wo 25 bis 30 Personen auf kleinerem Raum nebeneinander sitzen. „Je größer das Raumvolumen, desto größer ist die Verdünnung von Aerosolpartikeln und damit sinkt auch die Konzentration von Viren in der Raumluft“, sagt Moriske. Das allein reiche zum Infektionsschutz jedoch nicht aus.

Acht- bis zehnmal so viele Aerosol-Tröpfchen beim Sport

„Außerdem sind die Luftvolumina, die pro Minute ein- und ausgeatmet werden, bei aktivem Sport natürlich viel größer als wenn man still sitzt oder sich in Zimmerlautstärke unterhält“, erklärt Moriske. Das könne den Vorteil des großen Raumvolumens schon wieder zunichtemachen. Laut dem Experten werden beim Sport acht- bis zehnmal so viele Aerosol-Tröpfchen, an denen die Viren haften können, an die Luft abgegeben, als wenn zwei Menschen in normaler Lautstärke miteinander sprechen.

Berliner Fitnessstudios waren in der Pandemie viele Monate geschlossen. Das Risiko der Ansteckungsgefahr wurde als zu hoch eingeschätzt. Zwar gibt es brancheninterne Studien über ein geringes Infektionsrisiko. Der Verband Europe Active hatte Ende 2020 Zahlen veröffentlicht, nach denen bei mehr als 115 Millionen analysierten Studiobesuchen in ganz Europa die Infektionsrate bei 1,12 pro 100.000 Besuche lag. Forscher des Hermann-Rietschel-Instituts der TU Berlin legten hingegen Anfang 2021 in einer Studie dar, wie hoch der R-Wert, also wie viele Menschen eine infizierte Person im Mittel ansteckt, in unterschiedlichen Innenräumen ist. Während dieser bei einem Gang durch den Supermarkt bei 1 lag (Maskenpflicht einbezogen), haben die Forscher den R-Wert im Fitnessstudio, dass zur Hälfte belegt ist, mit 3,4 bewertet. Von einer Maskenpflicht wurde nicht ausgegangen. Auch gab es damals noch keine 2G-Regel, andere strengere Vorschriften oder die Virusvariante Omikron. Die Ergebnisse sind also aus heutiger Sicht mit Vorsicht zu genießen.

Experte: Maske wäre der beste Schutz

„Eine Maske wäre theoretisch das beste Mittel vor einer direkten Ansteckung im nahen Umfeld, Masken helfen auch die Virenfreisetzung im Raum deutlich zu verringern“, sagt Moriske. „Aber eine Maskenpflicht im Sportkontext ist meist unrealistisch.“ Fitnessstudiobetreiber könnten aber folgende Vorkehrungen treffen, um einen Besuch sicherer zu gestalten:

„Die Personenzahl sollte begrenzt werden und es muss sichergestellt werden, dass Abstände eingehalten werden können, es ein Hygienekonzept gibt, das auch regelmäßiges Händedesinfizieren einschließt und darüber hinaus ein gut funktionierender Luftaustausch – am besten durch eine auf die aktuellen Bedürfnisse angepasste Lüftungsanlage – stattfindet“, rät der Experte. Weiterhin seien die aktuell gültigen Regeln des Robert-Koch-Instituts (RKI) zum Impfen und Testen zu beachten. Allerdings schränkt er ein: „Eine hundertprozentige Sicherheit, sich nicht mit dem Coronavirus anzustecken, gibt es auch dann nicht und die weitere Entwicklung mit der aktuellen Omikron-Variante ist schwer kalkulierbar.“

In den Bundesländern herrschen derzeit unterschiedliche Regeln für den Betrieb. In Berlin gilt 2G-plus. Besucher müssen geimpft oder genesen sein, zusätzlich entweder ein aktuelles negatives Testergebnis vorlegen oder das Studio muss den Mindestabstand zu haushaltsfremden Personen durchsetzen. Der Senat schreibt für den Besuch Masken vor, die jedoch während des Sports abgenommen werden können und nur in den Gängen getragen werden müssen.