BerlinDie Wildkatze breitet sich in Deutschland immer weiter aus. Die gute Nachricht teilte der Bund für Umwelt und Naturschutz am Montag mit. „Besonders erfreulich“ sei der Nachweis in der nördlichen Lüneburger Heide – nur wenige Kilometer vor Hamburg entfernt. So weit nördlich habe man  bislang noch keine Wildkatze beobachtet können, so der Bund. Die Europäische Wildkatze oder Waldkatze (Felis silvestris silvestris) ist eine Kleinkatze, die in von der Iberischen Halbinsel bis Osteuropa, in Italien, auf dem Balkan, in Anatolien, im Kaukasus und in den schottischen Highlands vorkommt.

Seit den 1920er-Jahren erholen sich die Bestände in Europa wieder, nachdem die Katze seit dem späten 18. Jahrhundert nahezu ausgerottet war. Mittlerweile gehört sie nicht mehr zu den gefährdeten Arten. In Deutschland breiten sich die extrem scheuen und nachtaktiven Raubtiere nach Erkenntnissen des Bund nicht nur gen Norden, sondern im Osten und Süden weiter aus. Im südlichen Brandenburg lebten mehr Tiere als angenommen. In Bayern wurden sie östlich von Regensburg in Regionen nachgewiesen, in denen sie schon seit mehreren Jahren nicht mehr gesichtet worden seien.

Allerdings sind mit der zunehmenden Verbreitung der Wildkatze auch einige Gefährdungen verbunden. So werden Paarungen mit ihren domestizierten Verwandten, den Hauskatzen, immer wahrscheinlicher, was etwa in der Schweiz binnen zwei bis drei Jahrhunderten zum Aussterben der Tier führen könnte, wie unlängst Forscher der Universitäten von Genf, Zürich und Oxford in einer Studie warnten. Demnach führt das Aufeinandertreffen beider Arten in etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle zu Nachwuchs. Dergleichen wurde auch schon in Ungarn, Schottland und Spanien beobachtet.

Die Wildtierexpertin des Bund, Friederike Scholz, warnte noch vor einer weiteren Gefahr durch den Straßenverkehr: „In der dunklen Jahreszeit sind mehr Autofahrerinnen und Autofahrer unterwegs, wenn auch die nachtaktive Wildkatze durch ihr Revier streift. Außerdem sind viele Jungkatzen noch auf Wanderschaft – und der Straßentod ist nach wie vor die häufigste Todesursache der Europäischen Wildkatze.“ Gerade in Regionen, in denen nur wenige Wildkatzen lebten, gefährde jedes überfahrene Tier schnell den Bestand.