Heidelberg - Innerhalb kürzester Zeit hat es in Heidelberg zwei Vorfälle mit Wildschweinen gegeben. Nachdem bereits am Samstagnachmittag ein Tier durch den Stadtteil Rohrbach gerast war und für einige Aufregung gesorgt hatte, wurde am Sonntagabend in der Altstadt dann sogar eine Fußgängerin von einem wütenden Borstenvieh attackiert. Dabei kam es unvermittelt aus einer Einfahrt auf die 43-Jährige zugestürmt und rannte sie regelrecht um, wie das Polizeipräsidium Mannheim am Montag mitteilte.

Durch die Attacke wurde die Passantin leicht am Bein verletzt. Sie musste in einer Heidelberger Klinik behandelt werden. „Eine umgehend eingeleitete polizeiliche Fahndung nach dem Borstentier führte nicht zum Erfolg, sodass über dessen Verbleib keine Hinweise erlangt werden konnten“, heißt es in der Mitteilung weiter. Mit anderen Worten: Der Täter oder die Täterin konnte entkommen. Kein Wunder, schließlich liegt die Altstadt an einem größeren Waldgebiet rund um den Königsstuhl.

Jägermeister: Freilaufende Hunde hetzen Wildtiere in den Tod

Im Vergleich dazu tragisch endete allerdings der Vorfall vom Sonnabend für das Wildschwein. Das verletzte Tier konnte auf einem Schulgelände eingesperrt werden. Es wurde laut Polizeibericht „zunächst betäubt und von einer Tierärztin untersucht. Leider stellten sich die möglicherweise beim Durchstreifen der Grundstücke in der Umgebung entstandenen Verletzungen als so schwer heraus, dass das Wildschwein von einem Jagdpächter erlöst werden musste.“

Kreisjägermeister Heinz Kaltschmidt vermutet, dass ein frei laufender, also unangeleinter Hund das Tier im Wald aufgescheucht habe und es deshalb in Panik geraten sei. Gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung sagte er: „Das Wildschwein war ein Überläufer“ – so nennen Jäger die halbwüchsigen Tiere, die keine Frischlinge mehr, aber auch noch nicht ausgewachsen sind. Die in Not geratene Wildsau dürfte etwa anderthalb Jahre alt gewesen sein und 40 bis 45 Kilogramm gewogen haben.

Als es mit bis zu 30 Kilometern pro Stunde durch den Stadtteil rannte, habe sich das Tier schwer verletzt, so Kaltschmidt. Er berichtet, dass es an einem Zaun hängen geblieben sei. Der Vorfall ärgert den Jäger, denn in den letzten Wochen seien einige Wildtiere in Heidelberg von frei laufenden Hunden zu Tode gehetzt oder verletzt worden. Derzeit gebe es viele trächtige Rehe, die nicht mehr so schnell seien. Die Tiere des Waldes bräuchten gerade jetzt, in der Zeit, in der sie ihren Nachwuchs bekommen, Ruhe.