Gelöschte Brandstellen in der Lieberoser Heide im Juli 2019.
Foto: dpa/Julian Stähle

Lieberoser HeideDie Stimmung in der Oberförsterei Lieberose ist locker. Es ist ein heißer Junitag, doch etwas Regen in den vergangenen Tagen hat bei Leiter Axel Becker und Kreisbrandmeister Christian Liebe einigen Zweckoptimismus wachsen lassen. Es ist kein Feuer in der Lieberoser Heide in Sicht. Liebe und Becker tauschen Erinnerungen an das vergangene Jahr aus. „Da war es auch schön heiß, als gegen 10 Uhr die erste Alarmierung reinkam“, erinnert sich Liebe.

Dass es bei großer Trockenheit auf dem ehemaligen Truppenübungsgelände in der Lieberoser Heide brennt, ist für die Männer Alltag. Auch in den vergangenen beiden Jahren brachen dort immer wieder Feuer aus. Doch der Großbrand Ende Juni 2019 auf 100 Hektar sollte den Einsatzkräften alles abverlangen. „Das Problem war, dass das Feuer extrem hoch wurde. Der Wind setzte ein und wir haben eigentlich schon gesehen, dass das ein Ausmaß annimmt, das nicht an einem Tag erledigt ist“, beschreibt Liebe die damalige Situation. Dieses Jahr soll bei großem Alarm alles besser laufen - zumindest ein bisschen.

Mit rund 27.000 Hektar war die Lieberoser Heide in der Niederlausitz einer der größten DDR-Truppenübungsplätze. In der NS-Zeit hatte eine SS-Division von 1942 bis 1945 den Platz genutzt. 1947 übernahmen die sowjetischen Streitkräfte das Gelände und testeten hier bis 1992 Munition und Waffentechnik. Was hier genau im Boden liegt, wissen Experten bis heute nicht.

Großbrand im Sommer 2019 war ein Wettlauf gegen die Zeit

Beim Großbrand im Sommer 2019 wurde schnell klar: Das kann das Amt Lieberose nicht allein schaffen. Der Landkreis übernahm die Zuständigkeit, die Großschadenslage wurde ausgerufen, Einsatzkräfte nachalarmiert und Schichtpläne eingerichtet.

Feuerwehrleute, die zum Einsatz in die Heide fahren, wissen, worauf sie sich einlassen. Zum Beispiel auf die Tatsache, dass sich das Feuer gefährlich nahe bei hochbelasteten Munitionsflächen ausbreiten kann, die niemand betreten darf. Wenn der Brand durch diese Flächen gehe, werde die Munition noch gefährlicher, weiß Oberförster Becker. Selbstentzündungen gebe es vor allem bei phosphorhaltiger Munition. Ein einfaches Reinfahren und Löschen sei deshalb nicht möglich.

„Wir müssen von draußen zugucken und für uns Haltelinien festlegen, bis wir irgendwo mal an das Feuer rankommen können“, erläutert Kreisbrandmeister Liebe. Leider habe sich beim vorbeugenden Waldbrandschutz noch nicht viel getan in der Heide. So sei das Wegesystem für die Feuerwehren in bestimmten Bereichen „suboptimal.“

Auch deshalb wurde der Großbrand im vergangenen Jahr für die bis zu 200 Einsatzkräfte ein Wettlauf gegen die Zeit. Immer wieder fuhren Feuerwehren im Kreis, um Wasser aus weiter entfernt liegenden Teichen zu holen. Land und Bundespolizei unterstützten mit Löschhubschraubern dort, wo die Feuerwehrkräfte nicht hinkamen. Sogar angrenzende Dörfer halfen mit, sich zu schützen, wie sich Ordnungsamtsleiterin Kerstin Schiller erinnert. Ein Anwohner habe einen Traktor mit Wasserfass gebracht, andere holten alte Pumpen heraus. „Wir waren zufrieden mit allem, was wir bekommen konnten.“

Die Bedingungen haben sich aber verbessert, sind sich die drei Zeugen ein Jahr später einig. „Wir sind besser gerüstet als die letzten Jahre“, sagt Liebe und nennt Beispiele. Die Zusammenarbeit zwischen dem Land und den Kreisbrandmeistern sei enger. Die Koordinierung von Hubschraubern etwa gehe über kurze Wege. Ein neues Pumpensystem zur Brandbekämpfung fördere das Land zu 80 Prozent, zählt er auf.

Verbesserte Maßnahmen für mögliche Löscharbeiten eingerichtet

Mittlerweile seien auch fünf Brunnen in der Heide gebaut worden. „Dieses Jahr werden wir gleich versuchen, Wasser nah heranzubringen.“ Auch einheitliche Waldbrand-Einsatzkarten für ortsunkundige Feuerwehren seien fertiggestellt worden. Zudem stellten die Kommunen Räumlichkeiten für die Einsatzleitung zur Verfügung - auch Internet und Telefon, wie Liebe betont. 2019 musste für Kommunikation und Hilfsanfragen ein Fax-Gerät reichen.

Unterstützung kommt auch von der neu eingerichteten Waldbrandzentrale Süd des Landesbetriebs Forst in Wünsdorf. Sie ist eine von zwei zentralen Standorten, an denen mit 106 Sensoren die Rauchentwicklung in den Wäldern überwacht wird. Raimund Engel, Waldbrandbeauftragter des Landes, spricht von einem Erfolg, der sich bereits zeige. Von der Erkennung im System bis zur Brandbekämpfung dauere es bei 80 Prozent aller Brände 25 Minuten. Die Daten würden durch ein Richtfunknetz in Echtzeit transportiert, erklärt er. Mit Stand Freitag seien von 177 Waldbränden auf 104,4 Hektar etwa 85 erkannt und den Leitstellen gemeldet worden.

Doch gegen das Hauptproblem, den gefährlichen Einsatz der Feuerwehren in der Nähe von Flächen voller alter Kampfmittel, vermag auch eine Waldbrandzentrale nichts auszurichten. „Man kann den Waldwegebau fördern lassen, aber bei der Munitionsflächenräumung sieht es schlecht aus“, sagt Axel Becker. Die Kosten dafür müssten die Eigentümer der Waldflächen - das Land, die Stiftung Naturlandschaften und private Waldbesitzer - selber tragen. Nach Auskunft der Landesoberförsterei Peitz behandeln die Beteiligten die „Räumung mit unterschiedlichem Engagement“.

Ordungsamtsleiterin Schiller erinnert sich noch gut daran, dass im vergangenen Sommer neben einem Feuerwehrwagen eine Granate explodierte, als Einsatzkräfte gerade Frühstückspause im Auto machten. Das ganze Fahrzeug habe gewackelt, die Feuerwehrleute kamen mit dem Schrecken davon. „Es kann nicht die Lösung sein, dass wir immer wieder unsere Leute gefährden, sie auf dem Waldbrandschutzstreifen fahren lassen, aber die Abstände zur Munitionsbelastung nicht eingehalten werden können“, schimpft sie. Schiller fordert von den Eigentümern eine Beräumung von 500 Metern zum umlaufenden Brandschutzstreifen. „Das ist kostenintensiv. Aber Hubschrauber holen ist auch kostenintensiv.“

Das Telefon in der Oberförsterei Lieberose klingelt. Der Kreisbrandmeister schreckt kurz hoch, dann entspannen sich die Gesichtszüge - kein Alarm. „Was in der Heide über 20 Jahre versäumt wurde, kann in drei Jahren nicht aufgeholt werden“, sagt Liebe. Dann ergänzt er: „Wir kriegen das hier irgendwann in den Griff.“