Köln - Unter Sexspielzeug für Frauen hat man sich lange schlecht designte Dildos und Vibratoren vorgestellt. Dass sich das gerade radikal ändert, liegt vor allem an einem Produkt. Es heißt Womanizer, sieht gar nicht wie ein Sexspielzeug aus, verspricht seinen Benutzerinnen aber multiple Orgasmen. 

Wie sich das Gerät innerhalb weniger Jahre zum nach eigenen Angaben meistverkauften Vibrator entwickeln konnte und was an ihm anders ist, lesen Sie hier.   

Wie funktioniert der Womanizer?

Der Womanizer und alle ähnlichen Produkte funktionieren anders als alle Sextoys vorher. Sie sind Druckwellen-Vibratoren und werden nicht in die Vagina eingeführt oder klassisch aufgelegt. Vielmehr wird diese Vibratoren-Variante auf die Klitoris aufgesetzt und diese wird durch einen kleinen Silikontunnel nahezu berührungslos angesaugt. So wird ein Unterdruck erzeugt und die Klitoris besser durchblutet, was wiederum die Empfindungen erhöht. Dann stößt das Gerät Stoßwellen aus, die die Klitoris fein dosierbar stimulieren.

Diese neue Technologie nennt der Erfinder „Pleasure Air Technologie“. Versprochen wird ein Orgasmus innerhalb von fünf Minuten. Auch multiple Orgasmen innerhalb kürzester Zeit sollen für den Womanizer kein Problem sein, so das Werbeversprechen.

Wer hat’s erfunden?

Michael Lenke hat in seinem Leben schon viel erfunden. Der 68-Jährige hält weltweit über 100 Patente: ein Erdbebenfrühwarnstyem, ein anti-Tinnitus-Gerät oder ein Anti-Heuschnupfen-Gerät. Auf dem Erotik-Markt ist Lenke neu: Als er vor einigen Jahren las, dass beim Sex der Mann fast immer zum Orgasmus kommt, jede zweite Frau aber nur selten bis nie den Höhepunkt erreicht – das Phänomen heißt Orgasm Gap – , war ihm klar, welche seine nächste Mission sein musste: Michael Lenke sagte dem „Orgasm Gap“ den Kampf an.

Nach einer 18-monatigen Entwicklungs- und Testzeit in der heimischen Werkstatt und dem Schlafzimmer, seine Frau Brigitte testete alle Versionen selbst, brachte der Niederbayer 2014 die erste Version des Womanizers auf den Markt.

Stimmt das mit der „Orgasmus-Garantie“?

Wenn man den Bewertungen der Kundinnen glaubt, ja. Auf Amazon hat der „Womanizer“ hunderte Bewertungen, Durchschnitt: 4,5 Sterne, der „Satisfyer“, eine günstigere Variante, kommt immerhin auf 4 Sterne. Frauen berichten, wie sie durch das Gerät innerhalb von Sekunden zum Orgasmus kommen, manche zum ersten Mal in ihrem Leben. So schreibt eine: „Man kann gar nicht anders, als zu kommen.“ Eine andere schreibt: „Ich habe den Womanizer erst seit heute und ich liebe ihn schon. Ich konnte nicht mitzählen wie viele Orgasmen ist hatte. Das Teil ist einfach Mega und jeder Frau zu empfehlen.“

Händler, die das Produkt vertreiben, werben mit einer „Geld-zurück-Garantie“, sollte Frau nicht kommen. Erfinder Michael Lenke spricht gegenüber dem „SZ-Magazin“ von Testreihen, in denen ein „Wirkungsgrad von 98 Prozent“ bescheinigt wurde. Auf der Produktseite im Internet heißt es: „98 Prozent der Frauen kamen innerhalb von fünf Minuten zum Orgasmus.“

Warum gibt’s auch eine Autopilot-Funktion?

Die Autopilot-Funktion ist eine Reaktion darauf, dass einige Frauen darüber klagten, zu schnell zum Orgasmus zu kommen. In diesem Modus wechselt das Gerät unvorhersehbar zwischen verschieden intensiven Luftwellen – von schwach bis sehr stark. Das Ergebnis: Der Höhepunkt soll so unvorhersehbarer sein und länger anhalten.

Alle sprechen von Revolution – ist der Womanizer feministisch?

Unter Experten und Kundinnen gilt der Womanizer als große Innovation auf dem milliardenschweren Sextoy-Markt. Das Produkt richtet sich ganz bewusst an Frauen. Sie sind es, die ihr Sexleben verbessern wollen und es leid sind, beim Sex nicht zum Höhepunkt zu kommen. Das Unternehmen WowTech, an das Erfinder Michael Lenke seine Erfindung verkauft hat, schreibt, man sei in einer Mission angetreten, „die Bedürfnisse der emanzipieren Frau in den Mittelpunkt zu stellen.“ Damit knüpft man bewusst an feministische Themen wie den Gender Pay Gap, also die ungleiche Entlohnung, an und macht auch das Thema Selbstbefriedigung und „das Recht auf einen Orgasmus“ zum feministischen Thema.

Warum sprechen überhaupt alle plötzlich davon?

Sex und Gespräche darüber werden immer normaler. So schreibt „Bento“, der öffentliche Umgang mit weiblicher Sexualität befinde sich derzeit im Umbruch. Frauen würden ihre Wünsche heute klarer definieren und aussprechen. Hinzu kommt, dass Erfolgsserien wie „Sex an the city“ oder Verfilmungen wie „Fifty Shades of Grey“ Masturbation und Sextoys aus der Schmuddelecke hervorholen und gerade auch den Diskurs darüber gesellschaftsfähig machen. Weibliche Sexualität ist heute selbstbestimmt und darf ein Selbstzweck sein.

Gibt es auch Kritik?

Ja, die gibt es natürlich auch. Nicht alle Kundinnen sind überzeugt, manche erklären, dass sie den Womanizer als unangenehm empfinden und keinen Höhepunkt erreichen. Andere klagen über Überreizung der Klitoris, was auch als unangenehm empfunden werden kann. 

Was ist mit den Männern? Gibt’s bald auch den Manizer?

Seit zwei Jahren nun tüftelt Erfinder Lenke am Womanzier für Männer – Arbeitstitel „Manizer“. Wo bei der Entwicklung des Womanzier seine Frau Brigitte herhalten und testen musste, da muss er jetzt selbst ran. Die Männervariante soll ebenfalls berührungslos funktionieren, doch der gewünschte Erfolg bleibt bisher aus. Michael Lenke forscht weiter.

Zu guter letzt, was kostet der Spaß eigentlich? 

Es gibt verschiedene Ausführungen. Die günstigste Variante kostet 69 Euro, die Premium-Version 189 Euro. Spezial-Versionen mit außergewöhnlichen Designs kosten sogar ab 200 Euro aufwärts. Trotz des stolzen Preises ist die Premium-Version für 189 Euro die meistverkaufte. Die Sparvariante ist der Satisfyer, der preislich zwischen 29,95 bis 59,95 Euro liegt. (sar)