Mitarbeiter des Instituts für Virologie der Philipps-Universität Marburg im Forschungslabor. Das neuartige Coronavirus beschäftigt auch hessische Wissenschaftler. Die Virologen der Uni Marburg sind an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen den Lungen-Erreger beteiligt.
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MünchenDie Zahl der Patienten mit dem neuartigen Coronavirus hinter der Lungenkrankheit in China ist wieder sprunghaft gestiegen. In Deutschland wurden fünf Infektionen bestätigt. Die drei am Dienstagabend und ein am Donnerstagabend bekannt gewordenen Fälle stehen in Zusammenhang mit dem ersten Patienten in Bayern, der sich bei einer Kollegin aus China angesteckt hatte. In der Volksrepublik sind mehr als 6000 Fälle des Coronavirus erfasst. 170 Menschen in China sind bereits gestorben. Bei den Todesfällen handelt es sich meist um ältere Patienten mit Vorerkrankungen.

Japan evakuiert Staatsbürger aus China

Außerhalb der Volksrepublik gibt es unter anderem auch in Thailand, Japan, Singapur, Malaysia, den USA, Australien oder auch Südkorea Erkrankte mit dem neuen Virus. In Europa wurden auch in Frankreich vier Fälle bestätigt. Die meisten Erkrankten waren vorher in China. Allerdings gibt es zunehmend auch Infektionen, die außerhalb im Kontakt mit Reisenden aus China passiert sind - so etwa zuletzt auch in Japan und in Taiwan. So hat die Regierung in Peking seinen Staatsbürgern angeraten, Reisen ins Ausland vorerst zu verschieben.

In China sind die Elf-Millionen-Metropole Wuhan und die umliegende Provinz Hubei in Zentralchina besonders schwer betroffen. Rund 45 Millionen Menschen wurden dort weitgehend abgeschottet. Flüge sowie der Nah- und Fernverkehr wurden ausgesetzt. Japan begann damit, erste Landsleute aus dem Gebiet zurückzuholen. Eine Chartermaschine mit 206 Menschen aus Wuhan landete am Mittwoch in Tokio.

Die Insassen benutzten nicht den normalen Flugterminal für reguläre Passagiere, sondern wurden in einem Spezialbus in eine medizinische Einrichtung gebracht. Weitere Flüge sollen folgen, da rund 650 Japaner zurück wollen. Auch Deutschland und andere Länder wie die USA, Südkorea oder auch Indien erwägen oder planen bereits konkret ähnliche Rückholaktionen. In Wuhan gibt es rund 90 Deutsche. Wie viele von ihnen nach Deutschland ausfliegen wollen, ist unklar. Auch Australien will Bürger aus der Krisenregion ausfliegen, diese aber für 14 Tage in eine Quarantäne-Zone auf der Weihnachtsinsel stecken.

Drei neue Patienten in Münchner Klinik

Die drei neuen Patienten in Deutschland sind nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums wie der erste Fall auch Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto in Stockdorf (Bayern). „Es wurde entschieden, dass auch die drei neuen Patienten in der München Klinik Schwabing stationär aufgenommen und dort medizinisch überwacht und isoliert werden“, teilte das Ministerium mit. „Bei einigen weiteren Kontaktpersonen läuft derzeit ein Test, ob auch hier eine Infizierung mit dem Coronavirus vorliegt.“

Wegen der Infektionen schließt Webasto seinen Stammsitz im oberbayerischen Stockdorf, einem Ortsteil von Gauting, bis Sonntag. Bis dahin sollen Mitarbeiter der Firmenzentrale auch nicht an nationale und internationale Standorte reisen, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Webasto ist ein großer Zulieferer für die Autoindustrie mit insgesamt 13.400 Mitarbeitern an weltweit 50 Standorten. In China gibt es zwölf Standorte, einer davon in Wuhan. Die infizierte Chinesin, die zu dem Seminar der Firma gekommen war, hatte sich bei ihren Eltern in der Stadt angesteckt. Symptome entwickelte sie erst beim Rückflug nach China am 23. Januar.

Im Kampf gegen das Virus kommen in Deutschland neue Meldepflichten auf Fluggesellschaften und Krankenhäuser zu, wie Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mitteilte. So sollen bei Flügen aus China die Piloten vor dem Landen den Tower über den Gesundheitszustand der Passagiere informieren. Reisende aus China sollen in Formularen Angaben zu ihrem Flug, Aufenthaltsort und ihrer Erreichbarkeit in den nächsten 30 Tagen machen. Kliniken sollen künftig auch schon begründete Verdachtsfälle auf das Coronavirus an das Robert Koch-Institut melden müssen - nicht nur bestätigte Fälle.

Lungenkrankheit verläuft in den meisten Fällen mild

Der erste Patient mit den neuen Virus in Deutschland, ein 33-jähriger aus dem Landkreis Landsberg am Lech, wird auf der Isolierstation im Münchner Klinikum Schwabing betreut, wie Clemens Wendtner, Chefarzt im Klinikum, sagte. Ihm gehe es gut. „Er ist fieberfrei, hat auch derzeit keine Atemwegssymptomatik mehr.“ Die Inkubationszeit beträgt bei der Lungenkrankheit bis zu zwei Wochen. Allerdings sind Infizierte bereits ansteckend, noch bevor sie Symptome zeigen, was die Eindämmung des Virus besonders erschwert.

Das neue Virus 2019-nCoV stammt ursprünglich vermutlich von einem Markt in Wuhan, wo es wohl von dort gehandelten Wildtieren auf den Menschen übersprang. Die Symptome - darunter trockener Husten, Fieber und Atemnot - können mit Medikamenten abgemildert werden. Nach derzeitiger Einschätzung von Experten verläuft die Lungenkrankheit offenbar in den meisten Fällen mild, zum Teil sogar ohne Symptome. Der neue Erreger ist dem Virus hinter der ebenfalls in China ausgebrochenen Sars-Pandemie 2002/2003 sehr ähnlich. Damals waren 8000 Menschen erkrankt. Knapp 800 starben.

Australische Wissenschaftler haben inzwischen im Labor das Coronavirus nachgezüchtet. Das teilte das Peter Doherty Institut für Infektionen und Immunität in Melbourne am Mittwoch mit. Nunmehr könne in Zusammenarbeit mit anderen Instituten und der Weltgesundheitsorganisation WHO an einem Gegenmittel gearbeitet werden.