Ein Feldhamster schaut auf einer Ackerfläche aus einem Erdbau.
Foto: dpa/Uwe Anspach

Achtung, Konflikt! Thüringen hat ein Problem mit den Wühlern. So heißt die Familie der mäuseartigen Tiere, die unter anderem auch die Äcker unserer Bauern bewohnen und ordentlich durchpflügen. Es gibt da offenbar gute Wühler und schlechte Wühler und damit verbunden einen Konflikt zwischen dem Schutz bedrohter Tierarten und der Schädlingsbekämpfung. Der Freistaat wird derzeit von einer Feldmausplage heimgesucht, der Bauernverband befürchtet eklatante Ernteausfälle und fordert drakonische Maßnahmen. Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) zeigt zwar Verständnis, macht aber auch klar, dass die Feldmausbekämpfung „nicht die in Thüringen besorgniserregend niedrigen Hamsterbestände bedrohen“ dürfe.

Das ist also der Konflikt: Die Bekämpfung der Feldmäuse darf nicht zulasten der Feldhamster gehen. Eben das aber steht zu befürchten. Denn die Landwirte wollen den Mäusen mit einem speziellen Gift (Rodentiziden) zu Leibe rücken, von dem auch die Hamster in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Und so haben Thüringens Umwelt- und Landwirtschaftsministerium den Einsatz von Gift nur unter der strengen Auflage erlaubt, dass Hamster dabei nicht sterben. Die Bauern sind gehalten, Gutachter zu beauftragen, um zu klären, ob die bedrohten Wühler sich auf ihren Feldern häuslich eingerichtet haben.

Auch süß: Eine Feldmaus sitzt am Eingang ihres Baus.
Foto: imago images/Blickwinkel

In einem Schreiben an den Bauernverband, so berichtet dpa, hat sich Umweltministerin Anja Siegesmund nun für die Einführung eines finanziellen Ausgleichs für Bauern ausgesprochen, die Feldhamster auf ihren Äckern haben. Sie habe dafür auch bei Landwirtschaftsminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) geworben: Die Bauern sollen entweder für die Ernteausfälle oder den Mehraufwand entschädigt werden. „Landwirte, die den Feldhamster auf ihren Flächen haben, sollten dafür belohnt werden.“ In einem Punkt aber bleibt die Ministerin unbeirrt: „Der Feldhamster wird in Thüringen in den nächsten fünf Jahren nahezu komplett aussterben, wenn wir nicht massiv gegensteuern.“