Zecken sind klein und lauern meist im Gras auf ihre Opfer.
Foto: dpa/Marijan Murat

BerlinIn der Corona-Pandemie zieht es derzeit viele Menschen bei frühlingshaftem Wetter ins Freie. Doch Zecken halten keinen Abstand. Die kleinen Blutsauger lauern in Wäldern, Parks und Gärten. Der Berliner Biologe und Zeckenexperte Olaf Kahl erwartet deshalb in diesem Jahr deutlich mehr Zeckenstiche in Berlin und Brandenburg als in den Vorjahren. „Weil momentan viel mehr Menschen ins Grüne gehen, rechne ich mit einer Zunahme von Stichen und Infektionen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Wer sich auf breiten Wegen aufhalte, müssen in Wäldern und Parks keine Zeckenstiche befürchten. Sobald man allerdings die Wege verlasse, werde es gefährlich. Denn die Tiere versteckten sich in der Laubstreu. „Nach jedem Besuch im Grünen sollte man Körper und Kleidung also genau nach Zecken absuchen“, so der Experte.

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Zecken können mit ihrem Stich Bakterien und Viren übertragen, die Krankheiten wie Borreliose und die Gehirnentzündung FSME auslösen. Einen Überblick über die Gefahren, die von Zecken ausgehen können, hat die Nachrichtenagentur AFP zusammengestellt:

Wo finden sich Zecken?

Die Blutsauger lauern in Wäldern und Parks, aber auch im heimischen Garten auf Gräsern, Farnen oder Sträuchern. Von dort aus gelangen sie zu vorbeilaufenden Tieren oder Menschen und beißen sich an weichen Hautpartien wie Kniekehlen, unter den Armen und am Haaransatz fest. Mit Hilfe ihres mit Widerhaken versehenen stachelartigen Mundwerkzeugs bohren sie sich in die Haut, um Blut zu saugen. Dabei können gefährliche Krankheitserreger übertragen werden.

Wann treten Zecken in Aktion?

Schon bei Temperaturen ab etwa acht Grad Celsius werden die kleinen Blutsauger agil. Gewöhnlich halten Zecken von November bis Ende Februar Winterruhe. Allerdings beobachten Experten seit geraumer Zeit, dass sie wegen des Klimawandels und milder Winter ihre Aktivitäten ausweiten. Grundsätzlich lieben die Blutsauger ein feuchtwarmes Milieu. Fällt das Frühjahr zu trocken aus, stört dies die Entwicklung der Tiere.

Welche Krankheiten können Zecken übertragen?

Zecken können unter anderem den Erreger der sogenannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen, einer virusbedingten Hirnhaut- oder Gehirnentzündung. 2019 registrierte das Robert-Koch-Institut (RKI) bundesweit 444 Erkrankungsfälle, das war ein deutlicher Rückgang um 140 Fälle beziehungsweise fast ein Viertel gegenüber dem Vorjahr. Die Universität Hohenheim berichtete von einem Rückgang auf 462 Fälle, was vor allem auf stark sinkende Fallzahlen in Baden-Württemberg zurückzuführen sei. Insgesamt schwanken die FSME-Erkrankungen aber von Jahr zu Jahr.

Am häufigsten durch Zecken übertragen wird jedoch die von Bakterien verursachte sogenannte Lyme-Borreliose, die Nervensysteme und Gelenke schädigen kann. Die Schätzungen zu den Krankheitsfällen schwanken sehr stark zwischen 40.000 und 120.000 pro Jahr. Treten binnen vier Wochen grippeähnliche Symptome, Fieber, Lymphknotenschwellungen oder die sogenannte Wanderröte auf, sollte sicherheitshalber ein Arzt aufgesucht werden. Denn sonst drohen noch nach Jahren Spätfolgen.

Gibt es eine Schutzimpfung?

Gegen FSME schützt eine aus drei Einzeldosen bestehende Impfung, die alle drei bis fünf Jahre aufzufrischen ist. Eine Schutzimpfung gegen Borreliose gibt es dagegen nicht. Früh erkannt, lässt sich die Infektion aber gut mit Antibiotika behandeln.

Wie hoch ist das Risiko einer Erkrankung?

Derzeit gelten 164 Kreise in Deutschland als FSME-Risikogebiete. Dazu gehören vor allem Bayern und Baden-Württemberg, aber auch Teile von Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Sachsen, Niedersachsen und des Saarlands. Zeckenforscher befürchten, dass sich der FSME-Virus auch verstärkt im Norden ausbreiten wird.

Experten schätzen, dass selbst in Risikogebieten nur wenige Zecken infiziert sind - im Schnitt 0,1 bis fünf Prozent. Es gibt zudem Schätzungen, wonach etwa jede dritte Infektion beim Menschen zur Erkrankung führt.

Die Borreliose kommt in ganz Deutschland vor - je nach Region tragen bis zu 30 Prozent der Zecken die Erreger in sich. Sie werden aber erst übertragen, wenn die Zecke bereits einige Stunden Blut saugt. Nur ein sehr kleiner Teil der Infizierten von rund einem Prozent entwickelt Krankheitssymptome.

Welcher Schutz ist möglich?

Spaziergänger sollten in Wald, Feld und Wiese lange Kleidung und feste Schuhe tragen. Über die Hosenbeine gestülpte Strümpfe erschweren den Zecken die Suche nach nackter Haut. Antizeckenmittel bieten nur einen begrenzten Schutz für einige Stunden. Nach einem Ausflug ins Freie sollte jeder seinen Körper gründlich absuchen. Dies gilt auch für Kinder nach dem Spielen.