Ohrdruf/BerlinSeit diesem Jahr gibt es im thüringischen Ohrdruf Wolfsnachwuchs. Das Rudel, zu dem die kleinen Wolfsjungen gehören, tapste bereits in diverse Fotofallen und wurde damit also auch nachweislich im Bild festgehalten. Schließlich sind die Tiere etwas Besonderes, sie sind das bislang einzige nachgewiesene Wolfsrudel in Thüringen. Schafs- und Ziegenherden in der Umgebung werden inzwischen mit Hunden vor Angriffen geschützt, mit Erfolg, wie Schäfer und das Umweltministerium berichten. 

Eine Intervention war nötig, schließlich drohte der Wölfin zwischenzeitlich sogar der Abschuss. Von einer „Problemwölfin“ sprach der Thüringer Bauernverband, die sich auf das Reißen von Nutztieren spezialisiert und allein im letzten Jahr über 180 Nutztiere getötet habe. In diesem Jahr rissen die Wölfe mehr als zwei Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum, teilte das Thüringer Umweltministerium auf Anfrage mit.

Und wie geht es den Jungtieren, die als erster bekannter Wolfnachwuchs in Thüringen seit 150 Jahren gelten? Vier Welpen gebar die Fähe im Mai in ihrem Revier, einem Truppenübungsgelände. Nach Einschätzung des Wolfsexperten beim Thüringer Naturschutzbund (Nabu) wird es noch dauern, bis der Nachwuchs das Revier bei Ohrdruf verlässt. „Wölfe bleiben ein bis zwei Jahre beim elterlichen Rudel“, sagte Silvester Tamás im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Er gehe davon aus, dass die jungen Wölfe zunächst ein Nachbarrevier beziehen werden, wenn sie das Rudel verlassen.

Der Wolfsnachwuchs wird zunächst noch bei den Eltern bleiben.
Foto: Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz/dpa

Fraglich sei zunächst aber, wie viele der Jungtiere überhaupt durchkommen. „Bei einer Sterblichkeitsrate von 80 Prozent hoffen wir, dass wenigstens einer oder zwei überleben.“ Neben natürlichen Faktoren seien die Tiere vor allem durch den Straßenverkehr bedroht. Zudem komme es immer wieder vor, dass Wölfe geschossen werden – trotz strengem Schutzstatus.

Tamás hofft, bald über Genanalysen von Kotproben feststellen zu können, welches Geschlecht die Tiere haben. „In der Regel kann man aber von einer bunten Mischung aus Männlein und Weiblein ausgehen“, so der Experte.

Und was fressen die Tiere, wenn überall in der Umgebung Herdenschutzhunde im Einsatz sind? Tamás geht davon aus, dass die Wölfe nun wieder auf Rehe und andere Wildtiere Jagd machen. Wild gibt es auf dem Gelände reichlich, in Hinterlassenschaften des Rudels hat man Wildschweinborsten, Knochenreste und Zähne von Wild gefunden. Denen schmeckt’s!