Tattos als Risiko? Die Langzeitfolgen einer Tätowierung sind nicht absehbar.
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BerlinDass sich ein frischgestochenes Tattoo entzünden kann – dieses Risiko gehen Fans der Körperkunst wohlwissend ein. Dass ein Tattoo aber noch Jahre später ein gesundheitliches Risiko darstellen kann, fehlt im gesellschaftliche Bewusstsein fast gänzlich. Allergien, toxische Stoffe – im Zusammenhang mit Tattoos wird darüber kaum gesprochen. Jetzt will die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) bestimmte Farben bei Tattoos verbieten. Ein Überblick:

Welche Farben sollen verboten werden?

Es geht um die Farbpigmente „Blue16 (74160)“ (Blau) und „Green 7 (74260)“ (Grün).

Warum will die EU blau und grün verbieten?

Hintergrund für die Empfehlung der ECHA ist, dass die Pigmente in der Kosmetikverordnung für Haarfarben verboten sind. Tattoo-Farben gelten nicht explizit als Kosmetika, werden aber dazu gezählt. Deshalb soll hierfür ebenfalls ein Verbot kommen.

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Woraus bestehen Tattoo-Farben?

Eine der größten Herausforderungen bei der Risikobewertung liegt in den unterschiedlichen Inhaltsstoffen der Tätowiermittel. Es gibt organische und anorganische Pigmente, die mit verschiedensten Zusatzstoffen wie Binde- und Konservierungsmitteln versetzt sind. Mit jedem zusätzlich verwendeten Stoff fällt die Bewertung der möglichen gesundheitlichen Folgen schwerer. 

Sind Tattoos gesundheitsbedenklich?

Trotz ihrer großen Verbreitung werden Tattoos bislang selten im Zusammenhang mit gesundheitlichen Risiken diskutiert. Dabei können Tätowierungen unerwünschte gesundheitliche Folgen haben wie Infektionen, Entzündungen, Narben und Allergien, erklärt das Bundesministerium für Risikobewertung. Zudem seien Langzeitwirkungen möglich, über die bislang kaum Erkenntnisse vorliegen. „Farbpigmente von Tattoos bleiben nicht lokal unter der Haut, sondern wandern im Körper“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Durch UV-Licht und Alterung zerfallen manche Pigmente in toxische Substanzen.“ Sowohl Sonnenbaden als auch Tattoo-Entfernung mittels Lasertechnik können deshalb für Tätowierte gesundheitlich riskant sein. Die BfR-Nachwuchsgruppe Tätowiermittel-Forschung beschäftigt sich zudem mit der These, dass bestimmte Pigmente Allergien hervorrufen.

Wohin wandern die Pigmente im Körper?

Beobachtungen einer Maus-Studie des BfR haben gezeigt, dass die Lymphknoten von Tätowierten oft vergrößert und farbig sind. Ein Großteil der Pigmente und damit auch die toxischen Bestandteile lagert sich in den nahegelegenen Lymphknoten ab.