Berlin - Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und Diabetes mellitus – jeder vierte Deutsche leidet an dem „tödlichen Quartett“ von Wohlstandskrankheiten, das sich metabolisches Syndrom nenne, wie es in einer Mitteilung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch heißt. Um schwere Folgen – darunter Herzinfarkte und Schlaganfälle – zu vermeiden, müssen das Gewicht reduziert, der Fett- und Kohlehydratstoffwechsel sowie der Blutdruck normalisiert werden. Doch was kann dabei die Umstellung der Ernährung bewirken? Welche Effekte hat sie auf das Mikrobiom, das Immunsystem und den Gesundheitszustand?

Grundlegende Ernährungsumstellung soll Risiken verringern

Diese Fragen stellte sich eine Forschungsgruppe des MDC und des Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung vom MDC und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Eine Umstellung auf gesundes Essen wirkt sich positiv auf den Blutdruck aus“, fasst der Wissenschaftler András Maifeld die Ergebnisse zusammen. So wirken sich unter anderem die Gewichtsreduzierung selbst und die Verminderung von salzintensiven Speisen auf den Blutdruck aus. „Geht der Diät eine Fastenkur voraus, verstärkt sich dieser Effekt sogar noch.“ Maifeld ist Erstautor der Arbeit, die im Fachjournal Nature Communications erschienen ist.

Die Forscher rekrutierten für die Studie 71 Probanden mit metabolischem Syndrom und erhöhtem systolischen Blutdruck. Diese wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Beide Gruppen ernährten sich drei Monate lang nach der sogenannten DASH-Diät, einer Art „Mittelmeerdiät“ gegen Bluthochdruck. Eine der beiden Gruppen nahm fünf Tage lang keinerlei feste Nahrung zu sich, bevor sie mit dieser Ernährungsumstellung begann. Die Wissenschaftler beobachteten, wie sich die Immunzellen der Probanden dabei veränderten.

„Das angeborene Immunsystem bleibt während des Fastens stabil, während das adaptive Immunsystem herunterfährt“, sagt Maifeld. Dabei nimmt vor allem die Anzahl von entzündungsfördernden T-Zellen ab, während sich regulatorische T-Zellen vermehren. Das Fasten habe auch Auswirkungen auf das Mikrobiom des Darms, so die Forscher. Dabei vermehrten sich vor allem die gesundheitsfördernden Bakterien, was die Blutdrucksenkung fördere.

Besonders bemerkenswert: „Bei den Probandinnen und Probanden, die mit einer fünftägigen Fastenperiode in die gesunde Ernährung eingestiegen sind, blieben der Body Mass Index, der Blutdruck und der Bedarf an blutdrucksenkenden Medikamenten dauerhaft niedriger“, sagt der MDC-Professor Dominik N. Müller, einer der Autoren der Studien. Dieser Effekt sei auch drei Monate nach dem Fasten noch zu beobachten, so das MDC.

Fasten als Katalysator für schützende Mikroorganismen im Darm

Die Auswertung der Daten ergab, „dass es von der individuellen Immunabwehr und dem Darmmikrobiom abhängig ist, ob jemand gut auf eine Ernährungsumstellung anspricht oder nicht“, wie die Wissenschaftlerin Sofia Forslund sagt. Ließen die Erfolge einer ballaststoffreichen, fettarmen Ernährung auf sich warten, könnte dies daran liegen, dass sich im Darm zu wenige der Bakterien tummeln, die Ballaststoffe zu schützenden Fettsäuren verstoffwechseln. Deshalb empfehle es sich, eine Diät mit einer Fastenkur zu kombinieren. Diese wirke wie ein Katalysator für die schützenden Mikroorganismen im Darm. Die Gesundheit verbessere sich sichtbar sehr schnell, die Patienten könnten oftmals ganz auf Tabletten verzichten.