Zum Anbeißen: Eine Europäische Wildkatze im schweizerischen Langnau.
Foto: Imago Images

BerlinDen Wildkatzen in der Schweiz droht ein trauriges Schicksal: Die Art könnte aussterben, befürchten Wissenschaftler. Ausgerechnet ihr animalischer Sex-Appeal könnte der Europäischen Wildkatze in der Eidgenossenschaft dabei zum Verhängnis werden. Paarungen mit ihren domestizierten Verwandten, den Hauskatzen, könnten binnen zwei bis drei Jahrhunderten zum Aussterben in dem Land führen, warnten die Forscher der Universitäten von Genf, Zürich und Oxford.

In einer Studie fanden die Wissenschaftler heraus, dass Wildkatzen und Hauskatzen sich paaren und fortpflanzungsfähigen Nachwuchs zeugen können. Dadurch drohe eine immer stärkere genetische Mischung und letztlich die Verdrängung der Wildkatzen, bis beide Arten schließlich nicht mehr zu unterscheiden seien.

Europäische Wildkatzen (Felis silvestris) sind keine verwilderten Hauskatzen. Sie sind echte Wildtiere und werden nicht einmal dann zahm, wenn man sie mit der Flasche aufzieht. Die scheue Waldbewohnerin ist massiger und kraftvoller als die Hauskatze und hat in Relation zum Körper längere Beine als diese. Dass sich die beiden Arten verpaaren können, ist bekannt. Untersuchungen haben aber gezeigt, dass dies etwa in Deutschland so gut wie nicht stattfindet. Warum es in der Schweiz anders ist, ist nicht erforscht.

Jedenfalls leben in dem Alpenland, das die Wildkatze zum „Tier des Jahres 2020“ kürte, nur wenige Hundert Exemplare, dafür aber mehr als eine Million Stubentiger. Der Studie zufolge führt das Aufeinandertreffen beider Arten in etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle zu Nachwuchs. Nur wenn solche Paarungen verhindert würden, könne die Wildkatze als eigene Art erhalten werden. Eine mögliche Maßnahme sei die Sterilisierung sämtlicher weiblicher Katzen in waldnahen Gebieten.