Eine deutsche Weihnachtsbaum-Plantage.
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Berlin"Wozu braucht man eijentlich ’n Weihnachtsboom?“, fragt mein innerer Berliner, als ich schwitzend zu Hause ankomme, ein grünes Nadelmonstrum auf der Schulter, das in einem Netz gefangen ist. Mensch, der stellt Fragen! Kümmert sich um jeden Dreck. Die Antwort lautet: So ein Baum gehört einfach zum Fest dazu, obwohl man jedes Jahr erneut stöhnt. Denn man muss das Ding ja erst mal besorgen. Anschließend buckelt man die Kiste mit dem Ständer und den Kugeln aus dem Keller, obwohl man sie doch gerade erst runtergebracht hatte.

„Dann säbelste ewich am Stamm rum, damit dit Ding in Stända passt, kriegst verharzte Footen“, setzt mein innerer Berliner fort. „Dann schmückste drei Stunden lang. Alle glotzen kritisch: Wat is’n dit für ’ne Krücke? Du lieba Jott! Dann steht dit Ding zwee Wochen. Keena kiekt mehr hin. De Katze springt nach de Kureln. Der Hund hebt dit Been am Boom, weil er denkt, er is im Wald. De Zweige wern trocken und hängen runta. Wenn de niest, nadelts! Am Ende fliecht dit Janze ausm Fensta und erschlächt Frau Meier. Wat haste nu davon jehabt? Nur Ärjer!“

Gut, zugegeben, die ganze Sache ist schon irgendwie irrational. Nehmen wir nur mal die Umwelt. Das Jahr über führen wir die Klimadebatte: Dürfen wir noch fliegen? Sollen wir das Fleischessen einstellen, weil die Kühe zu viel pupsen? Ja, dürfen wir überhaupt noch atmen?  

Und dann werden auf einen Schlag 30 Millionen Bäume abgesäbelt, allein für Deutschland. Die meisten von ihnen wachsen in riesigen Monokulturen unter dem Einsatz von Pestiziden. Der Länge nach aneinandergelegt reichen sie einmal um die Erde. Nach dem Fest startet die große Vernichtungsaktion. Elefanten und andere Tiere bekommen die Bäume zum Fressen, die nicht verkauft wurden. Die anderen werden zu Hackschnitzeln verarbeitet und verheizt. 500 Bäume sollen tausend Liter Heizöl ersetzen.

Na, immerhin! Das Gewissen ist beruhigt. Mit meinem Weihnachtsbaum sorge ich dafür, dass zwei Liter Heizöl gespart werden. Weihnachten kann losgehen! Halleluja!

Schwäbische Geschenkpapierbügler

Bleibt noch der Geschenkewahn. Auch irrational! Im Grunde warten wir im Advent (adventus Domini) gar nicht auf die Ankunft des Herrn, sondern auf die des Paketboten. Der bringt Unmengen an Verpackungen mit. Die gelieferten Objekte werden davon befreit und in neue Hüllen (Geschenkpapier) verpackt.

Geschenkpapier! Jemand hat ausgerechnet, dass 8,7 Millionen Kilogramm zusammenkämen, wenn jeder erwachsene Deutsche im Jahr nur eine einzige Rolle verbrauche. Bei der Herstellung werde so viel Energie verbraucht, dass man damit eine Kleinstadt mit 12 500 Einwohnern ein Jahr lang versorgen könnte.

Ein aus irgendwelchen Gründen verzweifelter Kollege sagte mir eben, er wolle sich selbst in Geschenkpapier einwickeln und beim Schrottwichteln verschenken lassen, „an irgendwen“. Auch nicht gerade ein guter Beitrag für die Umwelt. So viel Geschenkpapier!

Und die Lösung? Eine schwäbische Bekannte berichtete einmal, dass man bei ihr zu Hause nach dem Fest das Geschenkpapier bügle, um es beim nächsten Mal wiederzuverwenden. Da wird auch mein innerer Berliner wieder wach. „Super!“, ruft er, „Jeschenkpapier büjeln! Jeile Idee! Die Schwaben machen dit richtich. Die janze Welt wird untajehn – aber Stuttjart wird übalehm!“ Gott sei Dank ist auch schon halb Berlin von schwäbischen Geschenkpapierbüglern besetzt. Das Klima ist gerettet!