Stadtbäumen - hier welche vor dem Bundeskanzleramt.- machen Hitze und Dürre besonders zu schaffen.
Silas Stein/dpa

Bad ZwischenahnOhne Schutz bekommen seine Bäume im Sommer Sonnenbrand. „Die Rinde wird spröde, die Rinde reißt auf“, berichtet Jan-Dieter Bruns, Geschäftsführer einer Baumschule im niedersächsischen Bad Zwischenahn. „Wir gehen zunehmend dazu über, die Stämme mit Reetmatten zu schützen“, sagt der 68-Jährige, dessen Unternehmen auf einer Fläche von mehr als 500 Hektar Laub- und Nadelgehölze pflegt, um sie weltweit zu verkaufen. Die Auswirkungen des Klimawandels sind ihm zufolge deutlich spürbar. Demnach waren die Niederschläge im Ammerland früher gleichmäßiger über das Jahr verteilt, seit rund zehn Jahren sind die Trockenperioden länger. „Das beeinträchtigt die Aufzucht der Bäume.“

Während viele Pflanzen früher nur im ersten Lebensjahr stärker bewässert werden mussten, sind dem Unternehmer zufolge nun auch im zweiten und dritten Jahr größere Mengen Wasser nötig, damit die Pflanzen sich gut entwickeln. „Das ist deutlich mehr geworden“, erzählt Bruns mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre. Den zusätzlichen Aufwand pro Jahr schätzt er auf 200.000 bis 300.000 Euro. Um das Wasser gezielt einzusetzen, stellt sein Unternehmen auf Tröpfchenbewässerung um, Schläuche bringen das kühle Nass direkt zu den Pflanzen. Beim Sortiment achtet der Gartenbauingenieur darauf, welche Bäume gut mit der Klimaveränderung klar kommen. „Der Wechsel vollzieht sich langsam, aber er vollzieht sich“, sagt Bruns. „Manche Baumarten werden zurückgehen, ganz stark unter Druck ist die Buche.“

Beim Obstbau sind die Veränderungen ebenfalls sichtbar. „In vielen Gebieten fehlt der Niederschlag oder er kommt zur falschen Jahreszeit“, berichtet der Leiter des staatlichen Instituts für Züchtungsforschung an Obst in Dresden, Henryk Flachowsky. Vielerorts sei Obstbau nur mit zusätzlicher Bewässerung möglich. „Das war früher anders.“ Allerdings haben sich dem Wissenschaftler zufolge auch die Art des Anbaus sowie die Qualitätsansprüche der Verbraucher geändert.

Inzwischen müssen viele Bauern ihre Früchte vor Sonnenbrand und Hagel schützen. „Sonnenbrand gab es früher auch, aber wir sehen eine starke Zunahme“, sagt Flachowsky. Ähnliches sei bei Hagelereignissen zu beobachten. „Der Obstbau hat mit einer Vielzahl von kleineren und größeren Problemen zu kämpfen, die eine Folge des veränderten Klimas sind.“ Um diese Herausforderungen zu meistern, brauche es finanziellen Einsatz. Aber: Da die Verbraucher qualitativ hochwertiges Obst für wenig Geld wollten, sei es schwierig, den Obstbau rentabel zu gestalten.

Auch Städte und Gemeinden spüren die Folgen des Klimawandels. „Wir haben jetzt den dritten Sommer in Folge, der so trocken war“, sagt Deliana Bungard vom Deutschen Städte- und Gemeindebund in Bonn.„ Wir machen uns Gedanken. Es wird darüber diskutiert, welche Bäume man pflanzt. Die städtischen Gärtner werden entsprechend geschult. Es tut sich viel im Moment.“ Die neuen Anforderungen hat der kommunale Spitzenverband Ende August in einem Positionspapier zu „Hitze und Dürre in Städten und Gemeinden“ zusammengefasst. Darin empfiehlt er die schrittweise Umstellung auf dürreresistente und widerstandsfähige Pflanzen und Bäume, die weniger Wasser benötigen. „So kann gewährleistet werden, dass auch in Zukunft städtische Parks und Gartenanlagen attraktiv bleiben.“

Dem Unternehmer Bruns zufolge gibt es sichtbare Veränderungen im urbanen Raum. „In den Städten sehen Sie immer mehr Bäume mit gefiederten Blättern wie Schnurbäume und Gleditschien“, berichtet der 68-Jährige, dessen Pflanzen unter anderem in Berlin, Paris und London stehen.

Auch Deutschlands Wälder spüren die Folgen der Klimaveränderung. „Rund fünf Prozent der Holzvorräte sind abgestorben“, sagt der Leiter des Thünen-Instituts für Waldökosysteme in Eberswalde, Andreas Bolte, mit Blick auf die heißen und trockenen Sommer seit 2018. „Viele Bäume sterben nicht durch Trockenheit und Hitze, aber sie sind so geschwächt, dass Schädlinge kommen und ihnen den Garaus machen“, erklärt Bolte. Besonders betroffen sind ihm zufolge Fichtenwälder. „Durch die Trockenheit konnten sich die Bäume nicht gegen die Borkenkäfer wehren.“ In manchen Regionen seien sogar Buchen abgestorben, weil sie mit den Bedingungen nicht zurecht kamen.

Um Wälder zukunftsfit zu machen, braucht es Bolte zufolge mehr Vielfalt. „Ich glaube nicht, dass wir in großem Stil Waldfläche verlieren“, zeigt sich der Wissenschaftler zuversichtlich. Aber: „Der Hauptanteil der Wälder wird sich verändern. Wo jetzt Fichtenwälder stehen, werden bald Mischwälder stehen.“ Ein Wald mit verschiedenen Baumarten sei resistenter gegen Klimaveränderungen und Schädlinge.

Der Unternehmer Bruns, dessen teuerste Bäume bis zu 20.000 Euro kosten, blickt zuversichtlich auf die kommenden Jahre.„ Die Baumschulen haben in meinen Augen eine gute Zukunft“, sagt er. „Pflanzen werden immer mehr an Bedeutung gewinnen.“ Welche Bäume dies besonders betrifft, zeigt Bruns in einem Klimahain, wo sogenannte Zukunfts- oder Klimabäume angepflanzt sind. Zu ihnen zählen neben der Gewöhnlichen Kiefer auch zahlreiche Arten aus Nordamerika und Asien wie etwa verschiedene Ahorn- und Eichen-Arten, die Gleditschie und der Amberbaum. Es sind Bäume, die mit Frost und heißen, trockenen Sommern zurechtkommen. Unter Sonnenbrand leiden sie nicht so schnell.