Jedes achte Kind in Berlin ist zu dick, fünf Prozent davon werden von Ärzten sogar als fettleibig eingestuft. Dies geht aus dem jüngsten Kindergesundheitsbericht hervor, den Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner (Linkspartei.PDS) am Freitag veröffentlichte. Grundlage sind die Einschulungsuntersuchungen von rund 21 000 Kindern aus dem Jahr 2004.Aus dem Bericht wird klar, dass Kinder aus sozial schwachen Familien mehr gesundheitliche Probleme haben als ihre Altersgenossen aus höheren sozialen Schichten. Außerdem hängen Übergewicht oder die Gefährdung durch Passivrauchen mit dem Elternhaus der Kinder zusammen.Jedes zweite Berliner Kind, das eingeschult werden soll, lebt in einem Raucherhaushalt. Davon sind Kinder aus unteren sozialen Schichten überproportional betroffen: Dort leben 67 Prozent der Kinder in einer Familie oder mit der Mutter beziehungsweise dem Vater zusammen, der raucht. Bei den Kindern aus der oberen sozialen Schichten sind es lediglich 26 Prozent.Die Zahl der dicken Kinder sei in den vergangenen zehn Jahren nicht angestiegen, heißt es in dem Bericht. Allerdings stufen die Ärzte zwölf Prozent der so genannten Einschüler als übergewichtig ein. Dabei weisen deutsche Kinder den niedrigsten Anteil von Übergewichtigen (zehn Prozent) auf. Dieser Anteil liegt bei ausländischen Kindern mit 19 Prozent fast doppelt so hoch. In dem Gesundheitsbericht wurde auch nach den Wohnorten (Ost- und West-Berlin) beziehungsweise nach den Herkunftsländern unterschieden. Die Kinder im Ostteil der Stadt sind am wenigsten übergewichtig, die türkischen Kinder dagegen am häufigsten (siehe Grafik). Dabei gibt es zwischen Mädchen und Jungen keine Unterschiede .Untersucht wurden auch die motorischen Fähigkeiten der Kinder bei der Einschulung. Dabei fiel auf, dass zwischen 13 und 24 Prozent der Kinder bei der Grob-, der Fein- und der Visuomotorik (Auge-Hand- oder Auge-Fuß-Koordination) leichte Defizite haben, ein weiteres Drittel hatte sogar deutliche Probleme. Jungen schnitten bei diesen Tests schlechter ab als Mädchen. "Für diese Kinder ist zu erwarten, dass sie Mühe haben werden, den schulischen Anforderungen gerecht zu werden, und dass sie in vielen Fällen besonderer Förderung bedürfen", heißt es in dem Bericht.Sorgen macht man sich in der Senatsgesundheitsverwaltung auch über die Vorsorgeuntersuchungen. So zeige sich beim Impfen, dass in einigen Bevölkerungsgruppen wieder "massive Lücken" entstanden seien. Beispielsweise sind von den deutschen Kindern, die mit ihren Eltern im Westteil der Stadt leben und zur oberen sozialen Schicht zählen, 13,2 Prozent nicht gegen Masern geimpft. 23 Prozent dieser Kinder sind darüber hinaus nicht vor Hepatitis B geschützt worden. In Familien mit einem sozial geringeren Status und auch in ausländischen Familien wird wesentlich mehr Wert auf einen umfassenden Impfschutz gelegt.Schlecht steht es dagegen um die Zähne von Kindern in unteren sozialen Schichten und bei nichtdeutscher Herkunft. Der Anteil der Kinder mit gutem Gebiss nimmt von der oberen zur unteren Schicht von 93 Prozent auf 70 Prozent deutlich ab. Ähnlich groß sind die Unterschiede zwischen deutschen Kindern und ihren Altersgenossen aus der Türkei oder ehemaligen Ostblock-Staaten.------------------------------Der GesundheitsreportDer Kindergesundheitsbericht erscheint zum dritten Mal. Der Report basiert auf Daten der Einschulungsuntersuchung aus dem Jahr 2004. Es wurden rund 21 000 Kinder berücksichtigt.Von den Kindern waren 47 Prozent Mädchen, 53 Prozent Jungen. Außerdem hatten 28 Prozent der so genannten Einschüler einen Migrationshintergrund.Bei den Deutschkenntnissen gibt es bei den Kindern nichtdeutscher Herkunft große Probleme. 29 Prozent dieser Kinder sprechen zwar flüssig Deutsch, aber mit erheblichen Fehlern. Weitere zehn Prozent können nur "radebrechen", fünf Prozent dieser Kinder haben keine oder kaum deutsche Sprachkenntnisse.Übergewicht ist bei Kindern schon in hohem Maße vorhanden: Zwölf Prozent sind übergewichtig, fünf Prozent sogar adipös (fettleibig).Die Herkunft der Kinder spielt bei der Ernährung eine große Rolle. Kinder nichtdeutscher Herkunft sind dicker als deutsche Kinder.In einem Raucherhaushalt lebt etwas mehr als die Hälfte der Kinder (52 Prozent). Dazu trägt auch die hohe Zahl von Alleinerziehenden bei, die rauchen.Bei Impfungen zeigen sich inzwischen wieder massive Lücken. So lassen deutsche Familien mit einem hohen sozialen Standard ihre Kinder seltener impfen.------------------------------Grafik (2): Eingeschränkte deutsche Sprachkenntnisse bei der Einschulungsunetrsuchung (nach Bezirk). Viele, vor allem türkische Kinder in den Innenstadt-Bezirken, können bei der Einschulung nicht richtig Deutsch sprechen.Anteil der Einschüler mit Übergewicht. Bei übergewichtigen Kindern spielt die Herkunft eine große Rolle.------------------------------"Wir haben vielfältige Angebote. Sie müssen aber die Förderbedürftigen auch erreichen." Heidi Knake-Werner (PDS), Gesundheitssenatorin------------------------------Foto: Der Anfang ist wichtig: Kleinkinder, die sich viel bewegen, bleiben eher gesund.