Jerusalem - #In den Feingoldhöfen mitten in Jerusalem wird Salsa getanzt. Ein Paar hat den Anfang gemacht und sich rausgewagt auf die Holzterrasse vor der Bar, andere machen es ihm nach. Die Luft ist noch lau an diesem Herbstabend. Die Paare geben sich mitten auf der Gasse im Herzen von West-Jerusalem den Salsa-Klängen hin, als wenn sonst nichts wäre. Die Szenerie hat etwas Unwirkliches. Sie passt so gar nicht zu der Angst, die in Jerusalem in diesen Tagen umgeht. Viele Bewohner trauen sich nicht mehr aus dem Haus, seit die Stadt wieder eine Art Hauptaustragungsort für Gewalt und Terror geworden ist. Die meisten palästinensischen Messerattacken geschahen hier. Sieben Israelis wurden seit Monatsbeginn getötet, zahlreiche schwer verletzt.

Es war ein blutiger, kein goldener Oktober, den Jerusalem bislang erlebte. Ausgestorben wirkt selbst die Jaffa-Straße in der Innenstadt. Früher flanierten hier die Menschen in Massen bis in die Nacht hinein, tagsüber gingen sie shoppen. Auch in den Feingoldhöfen, eigentlich eine bevorzugte Ausgeh-Adresse, ist an diesem Abend nichts los – sieht man von den Salsa-Tänzern ab. Die Restaurants und Pubs sind halbleer. Ihre Besitzer klagen über Umsatzrückgänge von mehr als fünfzig Prozent.

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