DILLINGEN, 16. Mai. Auf einer Amokfahrt durch das deutsch- französische Grenzgebiet hat am Sonntag ein Schütze ein Blutbad angerichtet. Dabei wurden fünf Menschen getötet und elf weitere verletzt. Die deutsche und französische Polizei fahndete am Abend auf beiden Seiten der Grenze mit Hochdruck nach einem mehrfach vorbestraften Mann aus dem saarländischen Beckingen. Über Lothringen verteilt wurden Straßensperren eingerichtet. Gegen den Tatverdächtigen wurde ein internationaler Haftbefehl erlassen.Der 36jährige Günter Hermann Ewen steht in dringendem Verdacht, am Sonntag morgen kurz vor fünf Uhr zunächst im saarländischen Dillingen zwei Angestellte der Diskothek "Xanadu" und dann in einem Appartement ein englisch-französisches Ehepaar erschossen zu haben. Auf seiner Flucht erschoß der Täter im französischen Sierck-Les-Bains zudem einen 39 Jahre alten Familienvater in dessen Wohnhaus, berichtete die Polizei in Saarbrücken. Insgesamt verletzte der Mann in der Disko und auf der Flucht elf weitere Menschen mit Schüssen. Am Nachmittag umstellte die französische Gendarmerie im grenznahen Sierck-Les-Bains eine ehemalige Kaserne. Nach Angaben der deutschen Polizei wurden dort zwar der bis dahin letzte Fluchtwagen, nicht aber der als hochgefährlich eingestufte Täter gefunden. Nach dem Mord an dem Familienvater hatte er vorbeifahrende Autos beschossen und dabei eine Krankenschwester und einen Feuerwehrmann verletzt.Polizei warnt BevölkerungDer Saarbrücker Staatsanwalt Josef Pattar warnte am Abend die Bevölkerung eindringlich vor falschem Heldentum. Ewen ist etwa 1,85 Meter groß, hat rötlich-blonde Haare und ist korpulent. Nach Erkenntnissen der Polizei verfügte er am Abend noch über einen Revolver mit Munition. Über Motive und Hintergründe der Mordserie teilte die Polizei nichts mit.Gegen 4.40 Uhr soll Ewen zunächst den 42 Jahre alten Geschäftsführer der Diskothek "Xanadu" in der Dillinger Fußgängerzone erschossen haben. Ein zweiter, Angestellter erlag Stunden später in der Homburger Klinik einem Kopfschuß. Nach Zeugenaussagen schoß sich der Täter mit zwei Waffen den Weg aus der Disko frei, acht Gäste wurden verletzt. Zu diesem Zeitpunkt waren laut Polizei noch etwa 20 bis 30 Gäste in dem Lokal. Nach der Schießerei in der Disko fuhr der Mann in eine nahe gelegene Straße, wo er einen 41 Jahre alten Franzosen und seine 37 Jahre alte britische Ehefrau jamaikanischer Abstammung in deren Wohnung tötete. Die elfjährige Tochter der beiden erlitt eine nicht lebensgefährliche Schußwunde und wurde ins Krankenhaus gebracht.Der Schütze flüchtete über die Grenze ins nahe Lothringen, wo er zunächst den 39 Jahre alten Vater zweier Kinder erschoß. Wahllos ballerte Ewen auf vorbeifahrende Autos, verletzte zwei weitere Passanten. Mit einem dann gekaperten Fluchtwagen verursachte er einen Unfall, bei dem er sich offenbar verletzte. Am Unfallort ließ er eine Pistole zurück und raubte einen weiteren Wagen, der schließlich in der Kaserne gefunden wurde.

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