Frauen an die Hobelbank, Männer in die Kita – für eine Berufsorientierung frei von Rollenklischees haben sich am Donnerstag wieder die Aktionstage „Girls’ Day“ und „Boys’ Day“ eingesetzt. Mehr als 100 000 Mädchen ab der fünften Klasse besuchten bundesweit rund 9 000 Unternehmen.

Der Girls’ Day, der 2001 eingeführt wurde, konzentriert sich vor allem auf technische und naturwissenschaftliche Berufe. „Auf die Berufe, in denen Frauen immer noch unterrepräsentiert sind“, sagt Carmen Ruffer vom Kompetenzzentrum Technik–Diversity–Chancengleichheit. Auch wenn klassische Ausbildungen wie die zur Bürokauffrau bei den Mädchen weiter an der Spitze stünden, erweitere sich das Spektrum langsam, aber kontinuierlich. Bei technischen Studiengängen wie Ingenieurwissenschaften sei ein Anstieg von teilweise mehr als 50 Prozent zu verzeichnen.

Die Jungs dürfen zum Boys' Day

Auch das Verteidigungsministerium empfing rund 140 Schülerinnen aus verschiedenen Sekundarschulen und Gymnasien in Berlin. „Wir brauchen euch“, sagte Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) zur Begrüßung. Die Schülerinnen sollten Selbstvertrauen haben. Sie selbst habe als Studentin nie gedacht, dass sie einmal die erste Frau an der Spitze dieses Ministeriums werden könne. Die Bundeswehr bestehe nicht bloß aus den Soldaten im Ausland, betonte die Ministerin. Man könne sich auch in den Armee-Krankenhäusern, der Reederei, der Logistik oder einer Vielzahl technischer Berufe bewerben. „Wir brauchen das – und ihr könnt das“, sagte von der Leyen.

Den Dienst an der Waffe dürfen Frauen erst seit 2001 verrichten. Derzeit arbeiten 18 500 Frauen bei der Bundeswehr, das macht rund zehn Prozent aus. Eine Erhöhung auf 15 Prozent wird angestrebt.

Am selben Tag wie der Girls’ Day findet seit vier Jahren auch der Boys’ Day statt. Er basiert auf einem ähnlichen Prinzip: Einerseits können Schüler ab der fünften Klasse Berufe in der Praxis kennenlernen, die von Frauen dominiert werden. Kindergärten, Krankenhäuser und Altenheime sind besonders häufig Teil des Programms. Andererseits werden für Jungen aber auch Workshops angeboten, die sich mit klassischen Vorstellungen von Männlichkeit beschäftigen oder Haushaltskenntnisse vermitteln. Rund 30.000 Jungen besuchten am Donnerstag bundesweit mehr als 3000 Einrichtungen.

Bessere Bezahlung ist der Schlüssel

Doch das Konzept des Zukunftstags ist umstritten. Durch einen Tag pro Jahr werde sich an den festgefahrenen Geschlechtervorstellungen nichts ändern, kritisiert die Heidelberger Geschlechterforscherin Monika Sieverding. Wichtiger sei, dass Mädchen naturwissenschaftliche Fächer in der Schule nicht einfach abwählen dürften. Oft hätten sie im Studium dann nicht mehr die freie Wahl. „Vor allem müssen wir aber tolle Lehrerinnen finden, die Mädchen für diese Fächer begeistern“, sagte Sieverding. Die Berufe, in denen Frauen klassisch dominieren, müssten hingegen besser bezahlt werden, um für junge Männer überhaupt attraktiv zu werden.

Einige Bundesländer wie Berlin, Baden-Württemberg und Bayern haben den Girls’ Day bereits zur „Akademie“ ausgebaut: Hier schnuppern Mädchen über den Zeitraum von einem Jahr in unterschiedliche Betriebe.

Weitere aktuelle Informationen zu den Aktionstagen finden Sie unter girls-day.de und boys-day.de