Die vor einem halben Jahr abgebrannte Residenzhalle wird wieder aufgebaut. Mit dem symbolischen ersten Spatenstich begannen gestern in der Residenzstraße 34 die Bauarbeiten. Mit einem Gesamtvolumen von mehr als fünf Millionen Mark will die Priva Liegenschaftsverwaltungs GmbH eine Ladenpassage bauen. Schon im Juni soll die Residenzpassage eröffnet werden.Margitta Jüterbock, die Vorsitzende der Händler-Interessengemeinschaft Residenzstraße, ist froh darüber, dass "der Brand- und Schandfleck" jetzt verschwindet. Dennoch ist sie nicht restlos glücklich über den Neubau. "Wir sollten unsere Vorstellungen beim Wiederaufbau mit einbringen können, doch wir wurden gar nicht gefragt", sagt die IG-Chefin. "Aus Gesprächen mit unseren Kunden wissen wir, dass sich viele wieder eine richtige Markthalle gewünscht hätten, statt der gläsernen Ladenstraße. " Architekt Marcel Gallinge verteidigt seinen Entwurf: "Das Markthal-lenprinzip in Berlin entspricht nicht mehr dem heutigen Zeitgeist", sagt er. Es gebe nur noch wenige funktionierende Markthallen in der Stadt. "Mit dem Gedanken in der Residenzstraße keine Markthalle zu bauen, haben wir den Anforderungen, die sich aus dem Umfeld, dem Kaufverhalten und den Bedürfnissen der Einzelhändler ergeben, Genüge getan", sagt Gallinge.Die neue Passage wird kleiner sein als die 1950 eröffnete Residenzhalle. Aber nach Auskunft der Betreiber sollen die bisher vertretenen Branchen wieder vorhanden sein. Insgesamt 16 Läden sollen in der Passage entstehen. Auch einige Händler aus der früheren Markthalle werden dort verkaufen. Fischhändler Michael Huter ist nicht mehr dabei. "Ich hatte mich um einen Stand beworben, aber die Miete ist mir zu teuer. " Die Versicherung, sagt Huter, habe lediglich ein Sechstel des bei dem Brand entstandenen Schadens getragen. Für Tierfutterhändler Rainer Speer "ist die ganze Sache endgültig abgeschlossen". Er war wie viele der alten Händler unterversichert. Jetzt fehlt ihm das Geld für einen neuen Geschäftsstart. Speer hat sich einen Job als Verkäufer gesucht. Als Verkäuferin will sich auch Andrea Baar anstellen lassen, die in der Resi Delikatessen angeboten hatte. Floristin Angelika Tillner glaubt dagegen nicht mehr, mit ihren 55 Jahren in der Branche noch eine Stelle zu finden. Blumen werden in der neuen Passage künftig von einem Discounter verkauft. Mit Freude erwartet Thomas Grothe die Eröffnung der Residenzpassage. Er hat das Wurstspezialitätengeschäft Papenrock aus der Residenzhalle übernommen und will es an der alten Stelle wieder eröffnen.Am 27. Mai war die Residenzhalle abgebrannt. Weil die Polizei an mehreren Stellen Spuren von Brandbeschleunigern festgestellt hatte, geht sie von Brandstiftung aus. Ein Täter wurde jedoch bis heute nicht gefunden.Eröffnung im Juni 2002 // Die neue Halle: Sie wird Residenzpassage heißen und entsteht auf der Fläche der abgebrannten Markthalle. Auf 2 150 Quadratmetern wird es 16 Läden gebe. Sechs der ehemaligen Resi-Händler ziehen ein.Das Parkdeck: 50 zusätzliche Parkplätze entstehen auf dem Dach des Neubaus. Zählt man sie zu den schon vorhandenen, so stehen den Kunden künftig etwa hundert Autostellplätze zur Verfügung.Die Eröffnung: 13 Monate nach dem Brand sollen die Bauarbeiten an der Ladenkette abgeschlossen sein. Ab dem 12. Juni 2002 kann wieder in der Residenzstraße 34 eingekauft werden.BERLINER ZEITUNG/MAX LAUTENSCHLÄGER Die Residenzhalle am Tag danach: Nach dem Brand am 27. Mai bot sie nur noch ein Bild der Verwüstung.