Bei der "FAZ" zeigte man sich am Dienstag wenig auskunftsfreudig: "Herr Schirrmacher ist nicht zu sprechen", ließ die Sekretärin verlauten, bevor sie dann selbst für ihren Herausgeber das Wort ergriff: "Wir bedauern die Abgänge, aber das ist nun mal der Lauf der Dinge. " Wohin die Dinge so laufen, konnte man am selben Tag bei der Konkurrenz von der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) nachlesen. Auf Seite eins wurden drei Neuzugänge gemeldet: Franziska Augstein, Tochter von "Spiegel"-Herausgeber Rudolf Augstein, wechselt von der "FAZ" zur "SZ", wie auch Ulrich Raulff, bisher Leiter des FAZ-Feuilletons und Thomas Steinfeld, Ressortleiter für Literatur bei der FAZ."SZ"-Chefredakteur Hans Werner Kilz zeigte sich über den Übernahme-Coup hocherfreut, schließlich habe man damit "die Eckpfeiler des deutschen Feuilletons an die Zeitung binden können". Thomas Steinfeld soll sich um Literaturthemen kümmern, Ulrich Raulff soll "alles Naturwissenschaftliche" übernehmen und Franziska Augstein politische Kolumnen schreiben. Dass sich die drei gegenüber ihrer alten Position nicht verschlechtern, ist für Kilz auch klar: "Sie werden bei uns eine herausgehobene Stellung haben", sagte er. Das Ressort sollen jedoch auch weiterhin Claudius Seidl und Andreas Zielcke leiten. "Wir wollen das Feuilleton ausbauen, aber nicht umstrukturieren", sagte Kilz.Nicht die ersten Abgänge Bei der "FAZ" wird man sich unterdessen Gedanken machen müssen, wie man die Fluchtwelle von prominenten Redakteuren und Autoren so langsam in den Griff bekommt. Innerhalb der letzten Monaten haben unter anderen schon Konrad Adam, Ulrich Weinzierl und Innenpolitikchef Eckhard Fuhr das Blatt verlassen, um zur "Welt" zu gehen. Überhaupt erwies sich das Springer-Blatt als Auffangbecken für unzufriedene FAZler: 12 ehemalige Redakteure sind mittlerweile zur "Welt" gewechselt.Für die "FAZ" sind dies mehr als nur Randnotizen. Wurde man erst von der "SZ" in der Auflage überrundet, droht nun auch ein Verlust der publizistischen Stärke. Jahrzehntelang galt die "FAZ" als Flaggschiff der deutschen Presse und Meinungsführer in Politik, Wirtschaft und Kultur. Wer es als Redakteur zur "FAZ" schaffte, durfte das Gefühl haben, das Beste erreicht zu haben, inklusive Dienstwagen und Betriebsrente. Dass der Zeitung dieses Image zunehmend verlustig geht, wird von nicht wenigen Herausgeber Frank Schirrmacher angelastet. Schirrmacher gilt als engagierter Zeitungsmacher mit dem Riecher für zugkräftige Themen. Ebenso bekannt ist Schirrmacher aber auch als Machtmensch, der seine Mitarbeiter gerne unter Druck setzt und auch sonst nicht gerade zimperlich ist, wenn es darum geht, seine Sicht der Dinge durchzusetzen. So ist Schirrmachers Art, Themen laut und publikumswirksam zu verkaufen, bei vielen Redakteuren umstritten. Ob der neuerliche Aderlass durch die drei prominentesten "FAZ"-Redakteure nun für Schirrmacher selbst Folgen hat, ist zu bezweifeln. Setzt man doch bei der "FAZ" gerne auf Kontinuität - bewegt wird sich nur im Notfall.Gedanken machen müsste sich Schirrmacher nun, wer die drei vakanten Stellen besetzt. Für den Posten des Literaturchefs wird gerüchteweise Florian Ilies, zurzeit Chef der "Berliner Seiten" der "FAZ", gehandelt. Und als Feuilleton-Chef käme Patrick Bahners, bisher Leiter des Bereichs Sachbuch, in Frage.Vorläufiger Höhepunkt // Die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) will in den kommenden Monaten ihr Feuilleton ausbauen. Die ersten prominenten Neuzugänge wurden am Dienstag bekannt. Franziska Augstein, Ulrich Raulff und Thomas Steinfeld wechseln von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) zur SZ. Franziska Augstein war bisher kulturpolitische Korrespondentin der FAZ in Berlin, Ulrich Raulff leitete das Feuilleton, und Thomas Steinfeld das Literatur-Ressort.Für die "FAZ" ist dies der Höhepunkt einer Welle von Abgängen: Allein 12 Mitarbeiter wechselten in den letzten Monaten zur "Welt", darunter auch Ex-Innenpolitikchef Eckhard Fuhr.ERWIN ELSNER Müsste sich langsam Gedanken machen - Herausgeber Frank Schirrmacher.ACTION PRESS SZ-Chefredakteur Hans Werner Kilz.