Der Streit um die Bespitzelung von Autonomen im linken Berliner Sozialforum ist noch nicht beigelegt, da überrascht der Forumsgründer und Politologe Peter Grottian mit einer Enttarnung von insgesamt vier V-Leuten. Zwar nennt der 64-jährige Professor der Freien Universität (FU) Berlin keine Namen. Er sagt aber doch so viel: Bei drei dieser Spitzel handelt es sich "um Personen, die offenkundig lokale, überregionale und bundesweite Arbeitsnetzwerke der linken Szenen ausgespäht haben".Betroffen sind laut Grottian unter anderem das Deutsche Sozialforum, die Globalisierungskritiker von Attac, die Gewerkschaften Verdi, IG Metall und IG Bau, kirchliche und andere Basisgruppen, dazu die SPD und die Linkspartei.Im Berliner Sozialforum - das, wie kürzlich bekannt wurde, seit Jahren ausgeforscht wird - habe er nun ebenfalls einen Verbindungsmann des Berliner Verfassungsschutzes enttarnt, sagte Grottian gestern. Zuvor hatte der Politologe die Akten des Geheimdienstes studiert, die ihn selbst betreffen - was auf Antrag ohne weiteres möglich ist. Als er dann mit seinen neuen Kenntnissen ein Forumsmitglied direkt ansprach, habe dieses bestätigt, dass es mit der Behörde zusammenarbeitet. Um wen es sich handelt, sagte Grottian ausdrücklich nicht: "Wir wollen nicht, dass eine Hatz veranstaltet wird. Auch wer gegen uns arbeitet, hat selbstverständlich Menschenrechte."Der Verfassungsschutz selbst nahm gestern keine Stellung zu den Angaben Grottians. "Zu derartigen Verlautbarungen äußern wir uns nicht", sagte der Sprecher der Behörde, Claus Guggenberger. Auch die Innenverwaltung von Senator Ehrhart Körting (SPD), formal Chef des Verfassungsschutzes, gab "keinen Kommentar" ab. Da nützte auch die Forderung des Grünen-Fraktionschefs Volker Ratzmann nichts, der Körting aufforderte, klar Stellung zu beziehen. "Der Senator muss sofort alle Spitzel zurückziehen", verlangte er.Schreddern oder aufklären?In der Affäre hatte der Senator bereits eingestanden, dass zu viele Daten über das Sozialforum zu undifferenziert archiviert worden seien. Was nicht erforderlich sei, solle gelöscht werden, kündigte der Senator an. Grottian dagegen fordert nun eine erweiterte Akteneinsicht und will die vorzeitige Löschung notfalls mit Hilfe des Datenschutzbeauftragten verhindern. "Vor dem Schreddern kommt die demokratische Aufklärungspflicht", sagte Grottian, der auch Einsicht in die Akten des Bundesverfassungsschutzes beantragen will. Der Politologe verwahrte sich gegen die Unterstellung, das Berliner Sozialforum sei von Mitgliedern der gewaltbereiten autonomen Szene dominiert worden. Der Verfassungsschutz sehe offenbar "rote Mäuse", sagte Grottian. Die Behörde erkenne nicht, dass das Problem der Autonomen gerade ihre "mangelnde Radikalität" sei.