An der Glienicker Brücke wird es doch eine Gedenktafel geben - mit einem Text, der nicht, wie von der Historischen Kommission vorgesehen, an den Agentenaustausch erinnert. Im Mittelpunkt stehen jetzt die "Machthaber der DDR, die jahrzehntelang die Einheit Deutschlands verhinderten". Auch die "friedliche Revolution in der DDR" wird im Text Erwähnung finden. Damit hat die Mehrheitsfraktion der CDU in Zehlendorf sich gegen die Vorstellungen der Historischen Kommission durchgesetzt.Der Bezirk hatte sich geweigert, einem Textentwurf zuzustimmen, der den Mauerbau 1961 zwar aufgreift, den Austausch internationaler Agenten, durch den die Brücke bekannt wurde, jedoch in den Mittelpunkt stellt. Die CDU-Verordneten forderten, dass auf der Gedenktafel die Glienicker Brücke vor allem als Symbol der Teilung des Landes hervorgehoben wird. Der Streit zwischen Politikern und Historikern drohte zu eskalieren. Schon war von zwei konkurrierenden Gedenktafeln die Rede - eine auf Potsdamer und eine auf Berliner Seite.Nun haben sich die Kontrahenten auf folgenden Text geeinigt: "Die von 1904 bis 1907 errichtete Glienicker Brücke wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1949 als ,Brücke der Einheit wiedereröffnet. Die Machthaber der DDR, die ihr diesen Namen gaben, verhinderten jahrzehntelang die Einheit Deutschlands. Nach dem Mauerbau 1961 durfte die Brücke nur noch von alliierten Militärs und Diplomaten passiert werden. Durch die friedliche Revolution in der DDR ist die ,Glienicker Brücke seit dem 10. November 1989 wieder für jedermann offen."Dieser Text entspricht fast wörtlich dem ersten Vorschlag der CDU. Der Agentenaustausch, der in den Jahren 1962, 1985 und 1986 unter weltweiter Beachtung auf der Stahlbrücke abgewickelt wurde, kommt nicht mehr vor. 1985 wurden 25 DDR-Inhaftierte gegen vier Ostblock-Spione ausgetauscht. "Mit dem neuen Text können wir leben", sagt dennoch Wolfgang Ribbe, Historiker und wissenschaftlicher Beirat der Historischen Kommission. Der gefundene Kompromiss sei zumindest "korrekt" und rühre nicht "an irgendwelche Emotionen" des Kalten Krieges - anders als der erste Gegenvorschlag der CDU, in dem von "Todesstreifen" und "kommunistischen Machthabern" die Rede war.Die Gedenktafel wird bei der Königlich-Preußischen Porzellanmanufaktur (KPM) in Auftrag gegeben. Spätestens zum Ende der Sommerpause wird die Tafel angebracht, sagt Ribbe. Das Gedenktafelprogramm, in dessen Rahmen rund 350 Porzellantafeln im Wert von über 3 000 Mark aufgestellt wurden - etwa 40 davon in Zehlendorf - läuft in diesem Jahr aus.