Eine tragende Säule des Gesundheitswesens steht vor dem Zusammenbruch: Die Pharmaindustrie will – dem neuen Verhaltenskodex ihres Dachverbands zufolge – nicht länger versuchen, sich Mediziner mit Geschenken wie Kugelschreibern und Schreibblöcken gefügig zu machen. Wie lange reichen die Reserven der einzelnen Praxen noch? Stimmen die Gerüchte über Radiologen, die sich mit Unmengen von Notizblock-Würfeln haben korrumpieren lassen? Egal, irgendwann werden die ersten Sprechstundenhilfen mit Büromaterial arbeiten müssen, auf dem statt wertvoller medizinischer Hinweise wie „Ratiopharm“ oder „Tilidin comp. Stada Retardtabletten“ überhaupt nichts geschrieben steht oder gar die therapeutisch kontraproduktive Buchstabenfolge SPD.

Schlimmer noch: Den Ärzten fehlen dann Orientierungshilfen. Schließlich können sie nur jene Präparate verschreiben, deren Namen sie von ihren Schreibgeräten kennen. Mittelfristig dürfte nicht nur das Rezeptwesen, sondern auch die Terminvergabe kollabieren. Das Praxis-Personal verlöre zwangsläufig jedwedes Zeitgefühl, sollten unter den Präsente-Stopp auch die Pharma-Werbekalender fallen. Da entsteht ein Notstand, den der Patient skrupellos ausnutzen kann. Durch Überreichung eines einzigen Mehrfarbkugelschreibers verschafft er sich nicht nur ärztliche Zuwendung, sondern auch noch eine neue Hüfte.