Beide Fernsprechteilnehmer sind sich einig: SPD-Mann Oppermann hat BKA-Chef Ziercke zwar angerufen, aber nicht, um etwas von ihm zu erfahren, geschweige denn zum Fall Edathy. Aber warum dann? Nun, Oppermann brauchte einfach eine Pause vom geschwätzigen Politikbetrieb, wo Nichtssagen nur mit vielen Worten funktioniert. Er wollte wahre Stille erleben – gemeinsam mit einem anderen Menschen. Wer wäre dafür besser geeignet als der zum Schweigen verpflichtete Leiter des Bundeskriminalamts?

Und, ja, es klappte: Vier Minuten lang schwiegen Oppermann und Ziercke miteinander. Das Schweigen der Männer erzeugte eine Intimität, als könne einer in die Seele des anderen blicken. Welch großartige Szene: zwei harte, sturmerprobte Schweiger wie aus einem Clint-Eastwood-Film, die sich wortlos so verstanden, dass sie fast in einer Schweigespirale verschwunden wären. Vier Minuten stand kein Laut zwischen ihnen in der Leitung von Berlin nach Wiesbaden, außer dem diskreten Arbeitsgeräusch eines Datenspeichers irgendwo in Maryland.

Diese plausible Erklärung beendet nicht nur das aktuelle Affentheater, sondern dürfte auch vermeintliche Stalking-Opfer beruhigen: Die werden ständig angerufen, hören dann aber immer nur ein schweres Atmen. Das ist kein Grund zur Besorgnis, sondern nur Thomas Oppermann, der mal wieder jemanden sucht, mit dem er schweigen kann.