Der Dackel braucht ein neues Kissen, das alte hat er zernagt, schön war es nie. Natürlich hat der Dackel ein Fell, er ist durchaus in der Lage, auf dem nackten Boden zu schlafen. Doch die Fliesen der Küche sind sogar im Sommer kalt, und ab und an kuschelt er gern. Auf zu "Koko von Knebel" also, ins feinste Spezialgeschäft der Hauptstadt, im Kempinski Plaza direkt neben dem Friseursalon von Udo Walz gelegen. "Wir suchen ein Kissen für unseren Hund, schlicht soll es sein, aus festem Material und uni vor allem, bitte kein Muster." Die freundliche Verkäuferin erwidert: "Schlicht? Da bricht mir glatt der Schweiß aus.""Every Dog is a Star" - so lautet das Motto der Boutique. Goldene und silberne Accessoires sind in den Schaufenstern dekoriert, Halsbänder, Koffer, Glamour pur, die Preisskala nach oben offen. Das Interieur des Ladens selbst ist in dunklen Tönen gehalten. Bunte Transporttaschen für kleine Hunde hängen an der Wand, mit Glitzersteinen geschmückte Leinen, ein Hunde-Zelt mit Camouflage-Muster steht im Regal neben den Schachteln mit den Tragetüchern. In denen trägt man den Hund seines Herzens vor der Brust, so wie ein Baby. Und natürlich gibt es Mäntelchen und Westen.Ein Chihuahua-Mädchen, neun Wochen alt, klein wie ein Meerschweinchen, die Beine dünn wie Salzstangen, tänzelt hysterisch durch das Geschäft. Ein Behältnis für den Welpen wird gesucht, weit tragen diese Beine nicht. Frauchen, nur aus der Ferne an Paris Hilton, die Ur-Mutter aller Taschenhunde, erinnernd, kann sich nicht entscheiden. Am Ende erwirbt sie für ihr Tier eine schwarze Winter-Weste aus der Black Line by Koko von Knebel für 69,95 Euro, gefertigt aus Nylon und Webpelz. Es sei das dritte schwarze Mäntelchen, das sie an diesem Tag verkaufe, sagt die Verkäuferin, der Sommerwind sei kühl.5,3 Millionen Hunde gibt es in Deutschland, sie leben in 13,4 Prozent der Haushalte. Im Schnitt gibt der deutsche Hundehalter knapp neunzig Euro pro Monat für seinen Hund aus, für Futter, Spielzeug, für Versicherungen, Steuern und den Tierarzt; im Jahr sind das fast 1 100 Euro. Wie und wo er das Geld ausgeben will, entscheidet der Hundehalter, dessen meist elternähnliche Beziehung zum Tier mit diesem Amtswort ungenügend beschrieben ist. Er kauft bei Drogerie-Ketten und Discountern, in Supermärkten oder im Zoo-Fachhandel, in Geschäften, in denen es nach Futter riecht oder nach Heu fürs Kaninchen. Spezielle Geschäfte für Hunde gibt es erst seit ein paar Jahren häufiger, sie liegen im Trend zur Individualisierung, die auch vor dem Heimtier nicht Halt macht.Der Hund selbst ist in Lifestyle-Fragen seinem Rudelführer ausgeliefert, hat Bachblütentropfen zu schlucken, wenn die Augen tränen, muss sich als drolliges Menschlein verkleiden, wenn seinem Herrn danach ist. Der Vierbeiner hat sich in Jahrtausenden den Marotten des Menschen angepasst, er erträgt sein lärmendes Wesen, die hektischen Bewegungen, erträgt auch Stilsünden, nimmt sie hin als Ausdruck überschwänglicher Liebe. Einer Studie zufolge feiern 54 Prozent aller Hundebesitzer den Geburtstag ihres Tieres.Eine Torte für derartige Gelegenheiten bietet Dagmar Liepe bei "Ally & Dotty" an, selbst gebacken. "Ally & Dotty" liegt in der Pariser Straße, nicht weit von "Koko von Knebel", Charlottenburg bleibt auch im Hunde-Sektor Charlottenburg, edel und einen Tick überkandidelt. Bei "Ally & Dotty" liegt die Ware in Landhausstil-Regalen, "Außergewöhnliches für den Hund" wird geboten, worunter beispielsweise ein geringelter Strick-Westover mit gelbem Poloshirt-Kragen rangiert. Die Hundekekse, täglich frisch, hat Frau Liepe, die auch Tierheilpraktikerin ist, in der wunderbar altmodischen Ladentheke drapiert. Gern würden die Tunfischkekse genommen, sagt sie, auch die Leberwurstkekse mit Preiselbeeren, 100 Gramm für 4,20 Euro, seien begehrt.Drei Typen von Hundehaltern gibt es, haben Bonner Psychologen jüngst herausgefunden. Der prestigeorientierte und vermenschlichende Besitzer will mit seinem Hund sein Selbstbewusstsein stärken. 22 Prozent der Halter zählen zu dieser Gruppe. Der zweite Typ ist stark auf den Hund fixiert (35 Prozent), der dritte agiert naturverbunden und sozial. 43 Prozent der Hundehalter sind dieser letzten Gruppe zuzuordnen, sie achten auf eine gute Erziehung des Hundes und freuen sich darüber, über den Hund Menschen kennenzulernen."Hauptstadthund" heißt der Laden von Christina Sieber, seit einem Jahr findet man ihn in der runderneuerten Hufelandstraße im Bötzowviertel, nahe dem Volkspark Friedrichshain. Elvis heißt der private Hauptstadthund von Christina Sieber, ein Weimaraner, drei Jahre alt, aus großen Augen betrachtet er die Kunden seiner Chefin. Weiße einfache Regale stehen bei "Hauptstadthund" an türkisfarbenen Wänden, es riecht nicht nach Tier, man spürt den Willen, es besser zu machen, zu reduzieren auf das Nötigste. Christina Sieber, 28 Jahre alt, ist Fotografin. Auf die Idee, das Geschäft zu gründen, kam sie durch Elvis. "Ich bin ein visueller Typ, ich möchte, dass mein Hund gut ausschaut", sagt die Fränkin. Die Produkte, die sie in den gängigen Zoohandlungen fand, entsprachen so gar nicht ihren puristischen Vorstellungen.Trockenfutter aus Schweden verkauft sie in ihrem Laden, in Schweden sind die Gesetze strenger, es gibt keine Massentierhaltung, erläutert Christina Sieber. Bio-Futter hat sie auch, aber nicht nur, das ist ihr wichtig. Neben schwedischen Lieferanten bevorzugt sie Händler aus dem Umland, Korrektheit gehört auch zum Image. Schlicht in der Form sind die Fressnäpfe, Stoff-Frisbees, die schwimmen, gibt es in Gelb und Rot, an aus Holz gefertigten Intelligenzspielen können sich kluge Hunde abarbeiten (Elvis scheitert leider). Frau Herzgold, eine Designerin aus dem Kiez, näht für den "Hauptstadthund" Spielzeug, Berliner Fernsehtürme aus festem Blümchen-Stoff zum Beispiel, und Halsbänder, die gestreift oder gepunktet sind. Fußball-Trikots für den Hund würde Christina Sieber nie in ihr Sortiment aufnehmen, "da ist die Grenze", sagte sie, ihre Kunden sind mit ihren Hunden viel draußen unterwegs, sie legen Wert auf artgerechte Produkte.Schnickschnack wie Mäntelchen oder Sport-Trikots für den Vierbeiner gibt es auch bei "CallasGoodies" nicht, ein Hund muss ein Hund bleiben. Kekse dürfen aber sein. Susanne Long betreibt die "Hundeläckerei" seit etwas mehr als einem Jahr in der Eisenacher Straße. Die 45-Jährige bäckt Minzstangen aus Minze, Salbei, Kamille und Weizenmehl, die sind gut für die Mundpflege, sie bäckt auch Reisekekse, die mit Ingwer eventuelle Übelkeit vertreiben. Käsemäuse gibt es, Anti-Pupsbären (mit Fenchel, Anis und Kümmel) oder Schinkenschweine, 100 Gramm kosten jeweils 1,95 Euro. Besonders beliebt sind die Bällchen aus Rinderhack und Karotten, die auch in Menschennasen köstlich duften, wenn sie frisch aus dem Ofen im hinteren Bereich des Ladens kommen. Susanne Longs Jack-Russell-Terrier Lilli ("nach Lilli Palmer") testet alle Produkte, eine Tierärztin berät bei der Komposition der Rezepte.Trockenfutter verkauft Susanne Long in ihrem kleinen Geschäft auch und Zubehör wie Halsbänder und Spielzeug, Strass gibt es nicht. "Die anderen haben die große Auswahl, ich habe die Mitmenschlichkeit", sagt sie. Das klingt als Werbung für einen Hundeladen seltsam und stimmt doch: "CallasGoodies" hat sich in Schöneberg zu einem Nachbarschaftstreffpunkt entwickelt, der Hund schnüffelt herum, der Mensch trinkt Kaffee, jeder wird nach seiner Art selig.Jetzt will Susanne Long die Qualität des Zubehörs weiter perfektionieren, sie will möglichst wenig Ware "made in China" einkaufen. Damit der Mensch ein gutes Gewissen haben kann. Mit dem Sattler Nikolaus Bröker und der Designerin Susan Schulz, die auch Tiertrainerin ist, will sie eine Spielzeug-Kollektion entwerfen. Bröker fertigt im Nebenberuf aus haltbarem Zaumleder schlichte schwarze oder braune Halsbänder und schwere Gürtel, an denen eine Leine direkt befestigt werden kann; massive Silberbeschläge zieren seine Werke. Susan Schulz' Label heißt Jack B., sie designt bunte Halsbänder und Leinen, gern auch nach präzisen Kundenwünschen. HundeKollektiv nennen die drei jetzt ihr Team, aus Leder soll das Spielzeug sein, haltbar und praktisch und schön. "Stabilität ist das A und O", sagt Susan Schulz, und Nikolaus Bröker ergänzt: "Wenn mich etwas nervt, dann ist es diese Infantilisierung von Tieren." Man darf also hoffen.Der Dackel Joschi hat im Übrigen bei "Koko von Knebel" ein dickes, leinenbezogenes Ruhekissen der Firma Wouapi bekommen, in Mittelblau und fast ohne Muster, es kostete 79 Euro, ganz schön teuer. Zwei Tage nach dem Kauf hat er das Kissen in einem Energieschub löchrig gebissen, er mag es leger. Für manchen Hund ist das Teure immer noch nicht gut genug.------------------------------Mode, Cookies und FotosLuxus-Güter für den Hund können in Berlin vor allem in Charlottenburg und Wilmersdorf erworben werden, etwa bei "Koko von Knebel by Udo Walz" (Uhlandstr. 181). Auch bei "Ally & Dotty" geht es edel zu; selbst gebackene Hundekekse bereichern das Sortiment (Pariser Str. 7). Außergewöhnliches für Hunde sowie Antiquitäten gibt es bei "Mops & Co" (Steifensandstr. 7). Individuelle Hundemode findet man in Kreuzberg bei "Susi Wau" (Hornstr. 1).Natürlich-Schlichtes wird bei "Hauptstadthund" in der Hufelandstr. 33 am Volkspark Friedrichshain bevorzugt. Die Besitzerin Christina Sieber ist Fotografin und bietet auch Foto-Shootings für Hunde an (60 Euro). Bei "CallasGoodies" in Schöneberg gibt es eine große Auswahl handgemachter Cookies sowie ebenfalls Futter und Accessoires (Eisenacher Str. 113).------------------------------Foto: Weimaraner im "Hauptstadthund": Elvis, das schöne Tier mit dem treuen Blick, fotografiert von seiner Chefin, der Ladenbesitzerin Christina Sieber.------------------------------Foto: Der Dackel Joschi im nagelneuen Hundebett (noch heil)------------------------------Foto: Für Tiere der stabilen Art: Leder-Halsband, entworfen und gefertigt von Nikolaus Bröker.------------------------------Foto: Köstlich sind Hundekekse von "CallasGoodies", das Gemüse-Krokodil ist gut fürs Gebiss.