Gregor Gysi bleibt dabei: Es waren rein persönliche Gründe, die ihn zu seinem Rücktritt als Berliner Wirtschaftssenator bewogen haben. Am Freitag sagte der PDS-Politiker bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Niederlegung von Amt und Mandat, er könne sich seinen Fehler aus der Zeit als Bundestagsabgeordneter nicht verzeihen: Den Fehler, dienstlich erworbene Bonus-Flugmeilen der Lufthansa für private Flüge genutzt zu haben."Damit komme ich nicht klar", sagte Gysi. "Dem habe ich auch eigentlich nichts hinzuzufügen." Das allerdings tat er dann, unterstützt von fragenden Journalisten, mehr als eine Stunde lang.Der PDS-Politiker wies dabei Spekulationen zurück, er habe keine Lust auf den Job als Wirtschaftssenator gehabt und nur eine Gelegenheit zum Abtritt gesucht. "Ich kann mir wirklich einen schöneren Abgang als diesen vorstellen", sagte er. Er habe seine Aufgabe mit Leidenschaft erfüllt, weil ihm die Arbeit "inzwischen" Spaß gemacht habe. Gysi sagte, er habe sich Ansehen bei der Berliner Wirtschaft erworben und wichtige Projekte angeschoben, wie die "One-Stop-Agency", mit der Firmenansiedlungen entbürokratisiert werden sollen.Eigentlich, so Gysi, habe er erst am kommenden Montag noch einmal öffentlich seine Gründe erklären wollen. Doch dann sei sein Haus in Pankow von Journalisten belagert worden und in den Zeitungen hätten die Kommentatoren ständig "falsche Interpretationen" geliefert. "Da habe ich mich entschieden, doch schon jetzt darauf zu reagieren."Die Konsequenzen für die rot-rote Koalition in der Hauptstadt hält Gysi für nicht dramatisch. Die Landesregierung sei durch seine Entscheidung nicht beschädigt worden, sagte Gysi. "Es gibt einen politischen Grund für diese Koalition, und der bleibt."Gysi räumte ein, bei der Nutzung der Bonusmeilen "kein Unrechtsbewusstsein" gehabt zu haben. Jemand - den er nicht nennen wolle - habe ihm damals gesagt, das private Abfliegen der Meilen sei jetzt erlaubt. "Das habe ich ungeprüft geglaubt. Genau das ist es, was ich mir vorwerfe." In diesem Moment, sagte Gysi, habe sein Instinkt versagt. Mit seiner Entscheidung wolle er jedoch keine Maßstäbe für andere Politiker setzen. "Das ist auch eine Image-Frage, ob eine Verfehlung wesentlich ist oder nicht." Er selbst habe gespürt, dass "meine Wähler in Marzahn von mir enttäuscht sein würden". Die Vermutung, sein Rücktritt habe mit neuen Erkenntnissen aus der Stasi-Überprüfung zu tun, der er sich als Senator und Abgeordneter unterziehen musste, wies er als "dummes Zeug" zurück. Der Unterschied zwischen den Unterstellungen einer Stasi-Kooperation und der Bonusmeilen-Nutzung sei: "Das eine stimmt nicht, das andere ist wahr", sagte Gysi.Alle schon wieder im UrlaubWährend sich sämtliche Senatoren nach der Krisensitzung am Donnerstag, die wegen Gysis Rücktritt anberaumt wurde, schon wieder in den Urlaub verabschiedet haben, setzte die Berliner PDS eine Personalkommission ein. Diese soll nun zügig einen Nachfolger finden. Das Gremium besteht aus Parteichef Stefan Liebich, Parteivizechefin Annegret Grabelin, Fraktionschef Harald Wolf und seiner Stellvertreterin Carola Freundl. Es seien bereits einige Namen diskutiert worden, sagte Liebich, der - wie Harald Wolf - selbst als möglicher Nachfolger Gysis gilt. Bis zum 21. August muss ein Vorschlag der PDS beim Parlamentspräsidenten vorliegen, am 29. könnte das Abgeordnetenhaus dann den Nachfolger oder die Nachfolgerin wählen. Einen Termin für die Bekanntgabe nannte Stefan Liebich am Freitag nicht. Nur so viel: "Wir sind einem Vorschlag jetzt schon sehr nahe gekommen."