Griechenland und der Euro: Endspiel für Athen

Die Entscheidungsrunde für Griechenlands Schicksal ist eingeläutet. Die Botschaft, die am Montagabend vom Blitzgipfel im Kanzleramt ausging, klingt geradezu wie ein Flehen, Athen möge bitte endlich den Ernst der Lage begreifen und die Spieltheorie-Spielchen sein lassen. Seit fünf Monaten verfolgt die griechische Seite die in einschlägigen Polit-Zockerkreisen bekannte Strategie der Schwäche: Sich eine Waffe an den eigenen Kopf zu halten und eine Gegenleistung zu fordern, um nicht abzudrücken. Man kann es auch moralische Erpressung nennen.

Europa ist empfänglich dafür. Soziale Argumente gelten viel in der Gemeinschaft. Solidarität mit dem Schwächeren gehört zu den Grundlagen ihrer Existenz. Man hat sich bemüht in Brüssel und auch in Berlin, man will die Euro-Zone durchaus beieinander halten. Jetzt gilt es.

Wie auch immer die Details des letzten Angebots aussehen werden, nicht nur für Griechenland, auch für die EU wird die Entscheidung schicksalhaft sein. Sicherlich würde ein Grexit oder Grexident - also das unfallhafte Ausscheiden aus dem Euro - das Ansehen der Währungsunion schädigen. Es wäre ein Exempel. Nicht ausgeschlossen, dass es Nachahmer findet. Eine Mitgliedschaft geriete ins Reich der Beliebigkeit. Und der Grexit käme uns alle sehr teuer.

Gift des Regelbruchs

Andererseits wäre das Gift, das von einem zu starken Eingehen auf Athens erpresserische Wünsche ausgeht weit zersetzender. Solange Griechen ihre Steuern nicht ordentlich bezahlen, solange das hanebüchenen Klientelsystem, die weitverbreitete Korruption und die auch von den Linken in der Regierung betriebene Schonung der Wohlhabenden fortbestehen, darf es keine von anderen Europäern zu bezahlenden sozialen Wohltaten geben.

Sollte das aber der Inhalt des Kompromisses sein, von dem jetzt die Rede ist, dann werden weitere geltenden Regeln der Gemeinschaft in die Tonne getreten. Werden Griechenland Zugeständnisse gemacht, von den Balten, Slowaken, Iren nicht träumen durften, dann wäre jede Fairness dahin.

Damit würde das Prinzip, auch und gerade in schweren Zeiten zusammenzustehen, zerstört werden. Was bliebe dann? Die schleichende Auflösung. Was also hat die griechische Regierung zu bieten? Welche Gesetze will sie bis wann ergreifen? Welche Maßnahmen sollen sichern, dass diese Gesetze mehr wert sind als das Papier auf dem sie stehen?