Die Elsässer, 20.45 Uhr, Arte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde Elsaß-Lothringen französisch. 1870 fiel es für 50 Jahre an Deutschland, um dann 1918 wieder französisch zu werden. Im Jahre 1940 erneut unter deutscher Herrschaft, gehört das kleine Land im Herzen Europas seit 1944 endgültig zu Frankreich: Der Elsaß war jahrhundertelang Schauplatz von Konflikten, zerrissen zwischen zwei Kulturen und zwei Nationen. Heute ist diese außergewöhnlich schöne Region Symbol für die deutsch-französische Freundschaft - die sich zum Beispiel durch den Kulturkanal Arte in Straßburg dokumentiert. Was also lag näher, als die Geschichte dieser spannungsreichen Region in einem großangelegten Fernsehspiel-Panorama nachzuerzählen? Doch es dauerte Jahre, bevor dieses ehrgeizige und mit 15 Millionen Mark auch extrem teure Projekt realisiert werden konnte; als eine Gemeinschaftsproduktion zwischen La Sept/Arte, France 3 und einigen ARD-Anstalten.Als wichtigste Produktion des Jahres kommt der Vierteiler "Die Elsässer" heute, morgen sowie am nächsten Freitag und Sonnabend ins Arte-Programm. Regisseur Michel Favart stützte sich auf das Drehbuch von Michel Deutsch und Henri de Turenne, das versucht, nicht nur 83 Jahre politischer Entwicklung anhand einer komplexen Familiengeschichte zu rekonstruieren, sondern auch viele Klischees zu korrigieren. Der Film zeigt 1870 den Sieg der Preußen und den Anschluß an das Kaisereich; dann den Ersten Weltkrieg mit dem Sieg der Franzosen; danach die Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg mit dem erneuten Sieg der Deutschen und dem Beginn der Hitler-Herrschaft; schließlich den Sieg der Alliierten mit dem endgültigen Anschluß an Frankreich. Der erste Teil "1870-1894" führt als zentrale Figur Mathilde ein, die einzige Tochter des elsässischen Rüstungsfabrikanten Kempf: Nachdem sie ihren Mann auf dem Schlachtfeld verloren hat, weigert sie sich verbittert, die Angliederung an Deutschland zu akzeptieren. Als ihr Sohn Louis eine preußische Generalstochter heiraten will, kommt es zum Eklat. "Die Familie Kempf ist ein elsässischer Mikrokosmos", kommentiert Michel Favart, "die Familie durchlebt sämtliche Zerreißproben des Elsaß." Aurore Clement (in jungen Jahren Cecile Bois) spielt Mathilde; weitere Darsteller sind Jean-Pierre Miquel als Baron Kempf, Sebastian Koch als preußischer Offizier Wismar (alt: Manfred Andrae) und Julien Lambroschini (alt: Michel Voita) als Louis.Die Dreharbeiten an Originalschauplätzen dauerten 107 Tage; 125 Schauspieler und 1 500 Statisten waren im Einsatz. Andreas Schreitmüller von Arte: "Es ist schön, daß sich an diesem Projekt außer ,arte` weitere französiche und deutsche Koproduzenten beteiligten. Ein solides Fundament, das Symbolkraft besitzt." +++