Was die großen Städte von der Provinz unterscheidet, ist die Vielfalt ihrer Bewohner, die im besten Fall friedlich nebeneinander her wohnen. Berlin weist in dieser Hinsicht ein üppiges Spektrum an sogenannten Außenseitern, Freaks, Randgruppen und Non-Normalos auf, die mit ihrem exotischen Flair für eine ganz spezielle Atmosphäre sorgen. Und mit ihren originellen Selbstentwürfen und unorthodoxen Lebenskonzepten die bestehenden Normen prüfen, oft aushebeln, manchmal verbessern.In Tania Wittes erstem Roman "beziehungsweise liebe" wird eine überaus bunte Schar solch leicht verrückter, seltsam sympathischer und unentwegt umtriebiger Vögel vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen sieben Frauen und ein Mann, die mit ihrem Anhang so ziemlich alles abdecken, was gemeinhin als "queer" bezeichnet wird: Lesben, Schwule, Transgender - mit und ohne Migrationshintergrund. Sie sind auf der Suche nach Liebe und Spaß, manche wollen bloß Sex, manche sind als Paare glücklich, manche wollen Kinder bekommen. Eine modelt und macht Street Art, eine ist Sozialarbeiterin, einer Online-Redakteur bei einer linken Tageszeitung, eine als Geschäftsfrau erfolgreich. Tania Witte, Autorin, Journalistin und Spoken-Word-Performerin, bringt sie alle ironisch-wohlwollend auf erotische und sonstige Touren und schickt sie in ein unterhaltsames Spiel aus Anziehung und Abstoßung, Lust und Frust, man könnte auch sagen: Rein und Raus.Ein wenig erinnert das an die legendären "Stadtgeschichten" von Armistead Maupin, doch ist "beziehungsweise liebe" sehr direkt nach dem Muster einer Soap-Opera mit entsprechender Seriendramaturgie gestrickt: Große Gefühle, wilde Träume, harte Abstürze, schräge Situationen. Die vorwiegend Kreuzberger Welt ist heil und sexy. Wer sich darin, ob als Homo oder Hetero tummelt, ist vor allem mit Fassadengestaltung zumal in eigener Sache beschäftigt. Einerseits ist das spießig auf Alternativ-Niveau, andererseits zumeist schwungvoll erzählt und witzig zu lesen - als besonderer Berlin-Roman, der die Stadt selbstbewusst als queeres Zentrum im steten Wechsel aufblättert: "Alles in Berlin ist irgendwo dazwischen. Klarheit kann man suchen, findet sie aber nicht. Stattdessen läuft man kontinuierlich Gefahr, sich in all den diesigen Dazwischens zu verlieren." Lesung mit Tania Witte am 5. Mai, um 20 Uhr, im EWA Frauenzentrum, Prenzlauer Allee 6, Tel.: 4425542.Buch: "beziehungsweise liebe", soeben erschienen im Querverlag, Berlin 2011, 232 Seiten, 14,90 Euro.------------------------------Foto: Alles, was gemeinhin als "queer" bezeichnet wird - Lesben, Schwule, Transgender - bringt Tania Witte auf Touren.