Die öffentliche Galerie im U-Bahnhof Alexanderplatz steht vor dem Aus. Das Projekt "Kunst statt Werbung" soll 2001 kein Geld vom Senat mehr erhalten. Dies beschloss der Unterausschuss Theater des Hauptausschusses mit den Stimmen der CDU und der SPD. Die PDS und die Grünen protestieren. "Ein traditionsreiches und kostengünstiges Kunstprojekt wird ohne Not einfach platt gemacht", sagte Alice Ströver, kulturpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, der "Berliner Zeitung". Ihre Fraktion will heute im Hauptausschuss beantragen, dass der Senat auch im kommenden Jahr einen Zuschuss von 214 600 Mark zahlt. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) unterstützen die Bemühungen für den Erhalt der Bahnsteig-Galerie. BVG-Finanzvorstand Joachim Niklas schrieb Kultursenator Christoph Stölzl (parteilos), er sei "entsetzt" über das drohende Ende. Grüne: Das Geld wäre vorhanden Bleibt es bei der Streichung des Zuschusses, wird die am 8. Dezember beginnende Kunstaktion die letzte in dem Bahnhof an der Linie U 2 sein. Achim Kobe tapeziert die Wände mit selbst bemalten Tapeten, Ulrike Feser und Wolfgang Stahr zeigen in den früheren Zugabfertiger-Kanzeln Videos zum Thema Dienstleistung. Am 6. Juli 2001 enden die Projekte. An den Wänden wäre dann Platz für Werbeplakate."Damit wird eine Idee begraben, die Berlin als eine kulturell spannende Metropole präsentiert und für viele Großstädte im Ausland Beispielcharakter hat. Millionen von Menschen kommen ganzjährig und zum Nulltarif in den Genuss zeitgenössischer Kunst", sagt Leonie Baumann. Sie ist Geschäftsführerin der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK), die den Wettbewerb seit 1991 organisiert. Seitdem konnten mehr als 300 Künstlerinnen und Künstler 4,6 Meter unter dem Alexanderplatz ihre Werke zeigen - zu Themen wie "Hund ist extra" (1993), "Schöne Aussichten" (1995) und "Privat" (1997). Kunst hat an diesem Ort eine lange Tradition: Der erste Künstlerwettbewerb fand 1981, also zu DDR-Zeiten, statt. Ströver: "Dies ist eine effiziente Form der Künstlerförderung." Die Verwaltungskosten betragen fünf Prozent, die übrigen 95 Prozent des Zuschusses gehen an die Künstler. Die CDU und die SPD im Unterausschuss begründeten die Streichung der Subventionen für "Kunst statt Werbung" mit dem Zwang zum Sparen. Sie entschieden, mit dem Geld stattdessen Frauenkulturprojekte und das Kammerorchester der Nikolaikirche zu fördern, berichtete Ströver. Es sei möglich, das Kunstprojekt zu erhalten: Für das Metropol-Theater fielen bald keine Kosten mehr an, die Mediathek sei gescheitert. Mit dem dafür verplanten Geld könnte der Senat auch 2001 "Kunst statt Werbung" finanzieren. Weitere Informationen im Internet unter: www.NGBK.de