Ermittler des Landeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft haben möglicherweise einen der größten Umweltskandale dieses Jahres aufgedeckt. Gestern durchsuchten 80 Experten der Umweltkripo an 13 Orten in Berlin, Brandenburg und Köln Geschäftsräume, Lagerhallen und Schrottplätze. Im brandenburgischen Rüdersdorf stellten sie Rechnungen, Belege und einen 2 500 Kubikmeter großen Berg mit giftigem Sondermüll sicher. Zwei 48-jährige Männer stehen laut Staatsanwaltschaft in Verdacht, diesen Sondermüll illegal verbracht zu haben.Motorteile in der TongrubeEigentlich hatte sich die Spur des riesigen Müllberges schon verloren. Die Senatsumweltverwaltung hatte vor Monaten das Spandauer Umweltamt auf einen riesigen Schuttberg aufmerksam gemacht, der sich auf einem Schrottplatz am Lagerweg in der Nähe des Nonnendamms türmte. Doch als die Beamten im Juli den Platz kontrollierten, waren sie überrascht. Denn von dem dort abgelagerten Bauschutt und den unsortierten Abfällen war keine Spur mehr zu sehen. "Alles war weg, aber ohne einen Nachweis einer ordnungsgemäßen Entsorgung auf einer Sondermülldeponie", sagte ein Beamter. Aufmerksame Hausbesitzer im brandenburgischen Herzfelde führten die Umweltkripo auf die Spur der Umweltverbrecher. Bewohner hatten gesehen, wie Lastwagen mit Sondermüll durchsetzte große Motorteile in einer Tongrube am Rande eines Sees in Herzfelde abgekippt hatten. Die Tongrube sollte aufgefüllt werden, um die Gärten am Ufer vor einem Abrutschen in den See zu schützen. Die Anwohner schalteten das dortige Bergamt ein. Nach den Ermittlungen der Kripo ließen die beiden Hauptverdächtigen ihren Giftmüll nun in einer Lagerhalle einer ausgedienten Futtermittelfabrik in Rüdersdorf verschwinden. Zehn Tage bereiteten die Beamten ihre gestrigen Durchsuchungen vor, denn die Verbindungen der Firma erstreckten sich über die gesamte Bundesrepublik - und sogar bis in eine Berliner Zelle. Ein Hauptverdächtiger sitzt wegen anderer Umweltdelikte in der Untersuchungshaftanstalt in Moabit. Zeitgleich durchsuchten Beamte des LKA seine Gefängniszelle und etliche Büroräume auf der Suche nach Beweisen für einen weiteren Verdacht. Denn die beiden 48-Jährigen sollen zweimal abkassiert haben. Einmal für die illegale Annahme des giftigen Bauschutts. Statt ihn ordnungsgemäß aber teuer zu entsorgen, sollen sie ihn dann als Füllmaterial verkauft haben und dabei noch einmal verdient haben. Zu den Ergebnissen der gestrigen Durchsuchungen sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Sascha Daue: "Die Ermittlungen dauern an."