Die Pulverisierung des 200 m-Weltrekordes durch Michael Johnson erreicht eine Dimension, die mit den mysteriösen Bestmarken von Florence Griffith-Joyner aus dem Jahr 1988 vergleichbar ist. "Flojo" verschwand damals schnell von der Bildfläche, Johnson will bis zum Jahr 2000 abkassieren. Es heißt, sein Manager könne jetzt 175 000 Mark Startgeld verlangen.Doping? Es gibt keine Beweise. "Vier, fünfmal" sei er in diesem Jahr kontrolliert worden, sagt Johnson. Von wem, wo, wann, mit welcher Vorwarnzeit - das ist nicht bekannt.Modedrogen wie das Wachstumshormon HGH und das zur Vermehrung der roten Blutkörperchen beitragende Erythropoietin (EPO) sind mit den gebräuchlichen Methoden nicht nachzuweisen. Außerdem hat das amerikanische Olympiakomitee ein groß angekündigtes Trainings-Kontrollprogramm vor Olympia abgeblasen. Angeblich wegen Geldmangels. Dabei ist es das reichste NOK der Welt.Der Dopingexperte Professor John Hoberman von der Universität Texas sagt, Doping sei im amerikanischen Profisport nur ein lästiges Problem, das durch "gezielte Public Relations kleingeredet werden kann". Johnson weiß ein ganzes Heer von Öffentlichkeitsarbeitern hinter sich: Die PR-Strategen seines mächtigen Sponsors Nike und des Fernsehsenders NBC. Sie feiern Johnson als "unbelievable" - unglaublich.Es ist in der Tat schwer, den Verteidigungsreden zu glauben. Aber ohne handfeste Beweise muß wohl weiter gelten: im Zweifel für den Angeklagten. +++