Die Zahl der Landwirte im Bundestag ist überschaubar. Genau zwölf weist das Handbuch aus, aber sie stellen offenbar eine wirtschaftlich äußerst erfolgreiche Gruppe: Gleich vier von ihnen führen die Liste der Großverdiener im Parlament an. Nach den von der Plattform abgeordnetenwatch.de ausgewerteten Daten ist Philipp Graf von und zu Lerchenfeld der Spitzenreiter. Er ist CSU-Abgeordneter aus Regensburg und hat noch nicht viel von sich reden gemacht im Bundestag – vielleicht hat er einfach sonst zu viel um die Ohren. Seine Einnahmen neben den Bezügen als Abgeordneter belaufen sich den Berechnungen zufolge seit Beginn der Legislaturperiode auf mindestens 1,148 Millionen Euro. Graf Lerchenfeld ist Gutsbesitzer, außerdem selbstständiger Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Ihm folgt der CDU-Abgeordnete Albert Stegemann (878 000 Euro), den man landläufig als Milchbauern bezeichnen könnte. Auch Johannes Röring (862 000) und Hans-Georg von der Marwitz (587 000) leben von der Landwirtschaft, und offenbar nicht schlecht. Freilich: Diese Liste zeigt die Bruttoeinnahmen, Gehälter, Maschinen, Investitionen gehen da im Zweifel noch ab.

Die eigentlichen Netto-Großverdiener folgen also eher weiter hinten auf der Liste, deren erste elf Ränge ausschließlich von Unionsabgeordneten besetzt werden. Da findet sich beispielsweise die CSU-Abgeordnete Dagmar Wöhrl, die u.a. als Mitglied in drei Aufsichtsräten und einem Verwaltungsrat mindestens 432 000 Euro eingenommen hat. Ein interessanter Fall ist Rudolf Henke (CDU), der als Präsident der Ärztekammer in NRW und Mitglied in diversen Beiräten einschlägiger Versicherungen und Banken mindestens 250 000 Euro kassiert hat. Dass er diesen beruflichen Interessen gleichzeitig als stellvertretender Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Bundestag nachgeht, finden offenbar weder er noch seine Fraktion problematisch. Der bestverdienende Sozialdemokrat ist nach wie vor Peer Steinbrück, der mit Vorträgen in den vergangenen knapp zwei Jahren immerhin an die 200 000 Euro verdient hat.

Die Angaben sind recht diffus, weil die Abgeordneten ihre Einnahmen nicht in konkreten Beträgen angeben, sondern zehn Gruppen zuordnen müssen. Die letzte Stufe – mehr als 250 000 Euro – ist nach oben offen. Im Einzelfall können die Bezüge also weit darüber liegen und niemand würde davon erfahren. Abgeordnetenwatch.de hat deshalb eine Petition an den Bundestag gegen die Verschleierung von Nebeneinkünften gestartet, um Abgeordnete zur Veröffentlichung der Höhe sämtlicher Einkünfte zu verpflichten.