„Wir sind nicht größenwahnsinnig“, erklärte Berlins Grünenchef Daniel Wesener vorsorglich. Aber angesichts der früheren, für die Berliner Bundestagskandidaten 2009 guten Wahlergebnisse bei den Erststimmen sei jetzt „das Ende der Bescheidenheit erreicht“, ergänzte Bundestagsfraktionschefin Renate Künast. Deshalb soll Hans-Christian Ströbele nicht der einzige Grüne bleiben, der ein Bundestagsmandat (in Friedrichhain-Kreuzberg) direkt gewann. Lisa Paus sieht für sich, weil durch ihre Bundestagsarbeit in Sachen Finanzen und Eurorettung bekannt, gute Chancen, in Charlottenburg-Wilmersdorf gegen die neue SPD-Kandidatin Ülker Radziwill zu punkten.

Özcan Mutlu (MdA) ist derzeit im Bezirk Mitte allgegenwärtig, um der heterogenen Wählerschaft zu erklären, lieber ihn statt SPD-Kandidatin Eva Högl zu wählen, die allerdings durch ihre Arbeit im NSU-Ausschuss des Bundestages sehr bekannt ist. 2009 gewann sie den Wahlkreis mit 26 Prozent, die Grünen kamen auf 21,5 Prozent. Das sei aufholbar, sagte Mutlu.

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Andreas Otto will in Pankow aus seinem MdA ein MdB machen, dort lagen aber 2009 zwischen den Grünen-Erststimmen, damals für den Kandidaten Heiko Thomas (16,3 Prozent) und dem Linken Stefan Liebich (28,8 Prozent), Welten. Da er aber die bei Wählern zentralen Themen Mieten und BER im Abgeordnetenhaus vertritt und dadurch bekannter ist, hält Otto einen Einbruch in die rote Bastion für möglich.

Renate Künast will den Wahlkreis 82 in Tempelhof-Schöneberg diesmal gewinnen, 2009 holte ihn die CDU mit 32,5 Prozent, Künast kam auf 26,3 Prozent. Ihre vermasselte Bürgermeister-Kandidatur sei kaum noch Thema. „Ich höre eher: Schade, dass Sie es nicht geworden sind, Frau Künast“. Hans-Christian Ströbele wartet in Ruhe ab, ob er seinen Wahlkreis wieder mit 46,7 Prozent, mit weniger (weil ihn doch einige Wähler für zu alt halten) oder mit über 50 Prozent gewinnt.